Sansibar

Sansibar: Mich laust der Affe

Am Strand vor dem Nationalpark bringen Dorfbewohner ihren Fang an Land.

Am Strand vor dem Nationalpark bringen Dorfbewohner ihren Fang an Land.

Ein tierischer Besuch im Jozani Forest National Park

Acht Finger, keine Daumen: Die Colobus-Affen sind der Star der Naturwanderung.

Acht Finger, keine Daumen: Die Colobus-Affen sind der Star der Naturwanderung. Fotos: aze

Sansibar, die Tropeninsel mit den Superstränden, ist für einen reinen Badeurlaub zu schade. Ausflüge in die Hauptstadt Stonetown oder eine Spicetour zu den Gewürzplantagen gehören zum Standard. Der Trip in den Jozani Forest National Park, dem letzten großen Waldgebiet Sansibars, ist ein heißer Tipp für alle Naturfreunde.

Im Naturparadies
Abrupt steigt unser Fahrer auf die Bremse und zeigt nach oben: „Colobus monkeys!“ Wie bestellt, turnen ein paar langschwänzige Affen mit rotem Rückenfell über eine wacklige Drahtbrücke, die den Wald rechts und links der Straße verbindet.
„Jozani Forest“ weist ein Schild den Weg zum Eingang von Sansibars einzigem Nationalpark, ein Waldgebiet im Südosten der Insel, das sich bis zur Küste erstreckt und Heimat einiger nur hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten ist. Vor allem leben hier die Roten Colobus-Affen – eine endemische Art, die nur vier Finger, aber keine Daumen hat.

Im Besucherzentrum begrüßt uns Ahmet, unser Guide für den Tag. Streifzüge durch den Park sind nur in Begleitung der Ranger erlaubt. „Unser Jozani Forest ist etwas ganz Besonderes“, sagt er stolz. Wo gäbe es denn sonst auf kleinem Raum derart unterschiedliche Landschaften wie Regenwald und Salzsumpf, Mangroven, Korallen und Buschland. Kein Wunder, fühlten sich hier zahllose Vogelarten genau so wohl wie Buschbabys und Zwergantilopen und natürlich auch Schlangen und ihre Jäger, die Mungos und Zibetkatzen.

Hauptattraktion sind natürlich die Colobus-Affen. Ahmet hat schon nach fünf Minuten eine herumtobende Großfamilie entdeckt. Längst haben sich die Tiere an neugierige Menschen gewöhnt und nehmen kaum Notiz von ihnen. Der Pascha des Clans döst gelangweilt vor sich hin und beobachtet mit halb geschlossenen Augen das muntere Treiben der Jungen und die Körperpflege der Älteren.

Da wird hingebungsvoll gelaust und geschmust, während sich die Affenkids kreischend durch die Baumwipfel jagen. Wir haben reichlich Zeit zum Beobachten – bis der Boss das Zeichen zum Aufbruch gibt und mit seiner Herde durch den lichten Wald weiterzieht.

Schwarze Schlangen im Matsch
Ein Kontrastprogramm erwartet uns nur wenige Autominuten entfernt: Ein großes Mangrovengebiet zieht sich von der Küste weit ins Land. Hier hat die Parkverwaltung einen kilometerlangen Holzsteg in den Sumpf gelegt, auf dem man auch bei Flut trockenen Fußes durch diese in geheimnisvolles Dämmerlicht getauchte Wasser-Baum-Landschaft wandern kann. Wir haben nun fast Ebbe, und der feuchtschwarze Sumpf glänzt unter dem dunkelgrünen Mangrovendach.

„Seht ihr etwas?“, fragt Ahmet. Wir starren in den schwarzen Matsch. Nix. Dann zeigt uns der Ranger einen riesigen pechschwarzen Krebs mit roten Augen. Nun entdecken auch wir Muscheln, kleine Fische und eine Wasserschlange – alle schwarz wie der Sumpf. Langsam steigt die Flut, es schmatzt und blubbert unter den Stelzenwurzeln der Mangroven.

Eben noch mitten im Mangrovensumpf, spazieren wir gleich darauf durch dichten Regenwald. Nun wandern wir auf schmalen Pfaden durch mannshohen Farn, überragt von mächtigen Urwaldriesen. Mahagonibäume streben himmelwärts, Würgefeigen umschlingen ihre Wirtsbäume, von den Blättern schwarzer Palmen fallen Wassertropfen.

Ahmet pflückt hier ein Blatt, zupft dort ein paar Beeren. „Der Wald ist der beste Doktor.“ Dies helfe bei Bauchweh, das bei Magenschmerzen und jenes bei Malaria. Blaugrüne Libellen schwirren vorbei, ein auf- und abschwellendes Sirren und Surren von tausenderlei Insekten liegt in der Luft.

Die Chancen stehen gut, dass auch nachfolgende Generationen dieses Juwel der Natur bestaunen dürfen, denn die Regierung Sansibars hat den Nationalpark unter strengsten Schutz gestellt.

Monika Zeller

Reisen nach Sansibar
Sansibar haben viele Veranstalter im Programm. Von Afrika-Veranstaltern wie Outback Africa oder Abendsonne Afrika über Spezialisten wie Chamäleon Reisen oder Taruk bis zu den ganz Großen, zum Beispiel TUI, Neckermann Reisen oder ITS. Der Ausflug in den Jozani Forest Nationalpark ist vor Ort in den Hotels buchbar.

Kommentar schreiben