Marokko

Essaouira: Ein Funken Magie

Magisch: das Abendlicht von Essaouira

Magisch: das Abendlicht von Essaouira

Marokko: Die Hafenstadt ist eine Oase für Künstler und Musiker

In der Medina treffen sich Touristen und Einheimische.

In der Medina treffen sich Touristen und Einheimische. Fotos: hb

Abends ist es am schönsten. Wenn die Möwen im Wind stehen und die Fischer in ihren blauen Holzbooten um eine Portion vom Fang anbetteln. Wenn die Brecher des Atlantiks an die Felsen vor der Stadtmauer donnern, die mit ihren Kanonen die Medina und ihre Händler bewacht.

Wenn erst die geweißelten Häuser der Altstadt erröten und sich dann der Himmel und das Meer im Licht der untergehenden Sonne violett verfärben. „Magisch“, sagen die Besucher auf den Zinnen der Festung. Wenn sie überhaupt etwas sagen: Es ist gar nicht so einfach, für diese Perle am Meer die richtigen Worte zu finden.

Der letzte Außenposten der Antike
Der Wind hat schon vor 2.500 Jahren Reisende nach Essaouira gebracht. Einst war hier der letzte Außenposten der antiken Welt: Die Phönizier züchteten an der Atlantikküste Purpurschnecken und verkauften das kostbare Pigment an die Punier und die Römer für ihre Roben.

Aus der sandigen Weite der Sahara kamen die Karawanen an den Atlantik, die Portugiesen bauten zum Schutz ihrer Handelsschiffe eine Festung. Ende des 18. Jahrhunderts ließ Sultan Ben Abdallah dann den damals größten Seehafen Marokkos bauen.

Weil er einen Architekten aus Frankreich verpflichtete, sind die Straßen der symmetrischen Medina heute wie in einer europäischen Altstadt schnurgerade. Mogador, wie Essaouira einst genannt wurde, war ein multikulturelles Zentrum mit Muslimen, Christen und Juden. Inzwischen zählt die Medina zum Unesco-Weltkulturerbe.

Alizee, der Küstenwind, bläst heute immer noch Fremde in die Stadt – vor allem Surfer, die hier Welle um Welle reiten. Die Strände sind lang und breit, aber leer: Es gibt weit weniger windige Ecken in Marokko, weshalb der Badetourismus in Essaouira nie wirklich in Schwung kam.

Der Hafen ist pittoresk, frischeren Fisch als hier gibt es nicht, doch die großen Frachter legen nun in Casablanca an. Es ist den Hippies um Jimi Hendrix zu verdanken, dass Essaouira wieder populär geworden ist. Zwar schrieb er den Song „Castles Made of Sand“ anderswo, aber egal: Seither kommen Musiker, Maler und Lebenskünstler, für das besondere Licht und die Atmosphäre.

Gut zwei Fahrstunden sind es von Agadir, etwas mehr als drei Stunden von Marrakesch. Tagsüber sind in den Gassen der Medina hauptsächlich die Busgruppen unterwegs. Weil hier noch viele Marokkaner leben, nicht nur wohlhabende Ausländer wie in Marrakesch, ist die Atmosphäre trotzdem weit weniger touristisch. Natürlich gibt es Berberteppiche, Ledertaschen und bunte Gewänder zu kaufen.

Zwischen den Boutiquen überleben aber auch Metzger und Olivenverkäufer, Schuhmacher und Tabakhändler. Es gibt Platz für alles: In den Cafés auf der Straße dampfen die Wasserpfeifen, die Bars auf den Dachterrassen servieren eiskaltes Bier statt zuckersüßen Minztee.

Nur für einen Tagesausflug zu schade
SKR Reisen und Studiosus lassen Gäste ihrer Rundreisen hier Meeresluft schnuppern. FTI hat zwölf Hotels im Angebot, darunter charmante Riads und außerhalb der Altstadt ein Golf-Resort von Sofitel. Ein Tagesausflug wird Essaouira nämlich nicht gerecht: Nur wer hier übernachtet und zu Sonnenuntergang durch die Gassen zum Hafen schlendert, wird den Zauber des Städtchens wirklich erleben.
Helge Bendl

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