Mo 12.06.17

Namaqualand: Bunter Frühling


Wenn der Westwind ausreichend Regen bringt, erblüht im August die Wüste


Hotspot der Biodiversität: Im Namaqualand-Nationalpark wachsen 6.356 Pflanzenarten. Foto: mw

Hotspot der Biodiversität: Im Namaqualand-Nationalpark wachsen 6.356 Pflanzenarten. Foto: mw

Fast wäre man vorbeigefahren: Ein winziges Schild lockt Blumenfreunde von der Nationalstraße 7 zwischen Kapstadt und der Grenze zu Namibia. Über eine Sandpiste geht es zurück durch grüne Hügel im Schatten des Kamiesberges. Schafe und Rinder grasen zwischen dornigen Büschen. Hier irgendwo sollen die Blumen blühen, die jedes Jahr ganze Busladungen Schaulustiger aus Japan locken, aber in Deutschland noch fast unbekannt sind. 

Vorsichtige Nachfrage im Hotel Kamieskroon, einem weiß getünchten Farmhaus mit überdachter Veranda. „Sie blühen – und wie“, versichert Besitzer Helmut Kohrs. Auf einer Landkarte malt er Kreise um Bergtäler und sandige Ebenen. Da sei es gerade am schönsten – und natürlich im Nationalpark. Kurz vor der Furt durch einen Wildbach dann das erste Blumenfeld. Wie mit dem Textmarker angemalt recken gelbe und orange Namaqua-Gänseblümchen ihre Köpfe der Sonne zu. 

Doch das ist nur das Vorspiel, denn im Namaqualand-Nationalpark treibt es die Natur noch viel bunter. Rings um die ehemalige Schaffarm Skilpad schießen jeden August Blumenteppiche aus dem Wüstenboden. Die Region ist einer von 34 Hotspots der Biodiversität. 6.356 Pflanzenarten wachsen hier, 2.542 davon sind endemisch. 

Blütenmeere in allen Farben

Auf einem Rundkurs rollen Besucher im Schritt‧tempo durchs Terrain und entdecken auf jeder Hügelkuppe neue spektakuläre Blütenmeere in Gelb, Orange, Weiß, Blau oder Violett. Auch zwei Wanderwege führen durchs Gebiet. Die könne man ruhig laufen, verspricht Park-Helferin Salomi Louw. Die wieder eingeführten Leoparden seien scheu – und der Skilpad, die kleinste Schildkröte der Welt, nur zwei Daumen breit und völlig harmlos. 

Bernard van Lente verwaltet dieses drittgrößte Schutzgebiet Südafrikas. „Unser Reichtum ist die Vielzahl von 15 Biotoptypen von den Küstendünen bis hinauf in die 1.000 Meter hohen Berge“, erklärt er. Dazu komme der kalte Benguela-Strom vor der Atlantikküste, der morgens Nebel bringe und den Boden kühle. Verbunden mit geringen, aber verlässlichen Niederschlägen und viel Sonne ideale Voraussetzungen für die florale Vielfalt. 

Schutzzonen erweitert

Um sie zu schützen, hat Südafrikas Regierung das Schutzgebiet wiederholt erweitert. Auch Wildtiere wie Elenantilopen, Klippspringer und Zebras hat man wieder angesiedelt. Ein Besuch lohnt sich aber nicht nur im Namaqualand, das den Namen seiner ursprünglichen Bewohner, des Nama-Volkes, trägt. 

Auf einer Reise durch die Nordkap-Provinz reihen sich die Blumenparks wie auf einer Kette und verlängern damit die Reisezeit bis in den Oktober. Schon 150 Kilometer nördlich von Kapstadt lockt der West-Coast-Nationalpark mit der Postberg-Halbinsel. Weiter nördlich rühmt sich das Dorf Nieuwoudtville als Blumenzwiebel-Hauptstadt. 500.000 Pflanzen sollen hier jedes Frühjahr sprießen – die größte Vielfalt an Knollengewächsen weltweit. 

Am Schluss der Blumenroute liegt das Blumenreservat Goegap vor den Toren der Provinzstadt Springbock. Während der Wüstenboden in diesem Trockental im Winter regelmäßig friert und im Sommer bei 40 Grad Hitze ausdörrt, locken nur 150 Millimeter Niederschlag lila Mittagsblumen und andere Sukkulenten zu Füßen der urwüchsigen Köcherbäume in dichten Büscheln aus dem Boden. 


Von Martin Wein

 

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