Simbabwe

Sambesi: Elefanten als Akrobaten

Schau mir in die Augen, Großer

In Mana Pools erlebt man bei Walking-Safaris hautnah Afrikas ungezähmte Wildnis

Für Früchte verrenkt sich manch Dickhäuter Manch Bewohner zeigt auch mal Zähne. Fotos: hb

Vorneweg in Siebenmeilenstiefeln der Guide, wir hinterher im Gänsemarsch: Mit Staub auf den Lippen und der Morgensonne im Gesicht geht es durch den Galeriewald am Ufer des Sambesi. Man kann die Natur sehen, hören, riechen, ertasten und schmecken: Es ist eine Safari für alle Sinne. Denn wir sind zu Fuß unterwegs statt mit dem Geländewagen. In vielen afrikanischen Nationalparks ist das verboten. Anders in Simbabwe: Aufwändig ausgebildet und für Notfälle bewaffnet, führen hier Guides bei Walking Safaris durch den Busch.
Entlang des Sambesi zeigt sich Simbabwe von seiner wildesten Seite. Ein paar Hundert Kilometer flussabwärts von Victoria Falls liegt Mana Pools, Welterbe der Unesco seit 1984. Als viele Veranstalter Simbabwe wegen der Politik des abgesetzten Präsidenten Mugabe den Rücken kehrten, fiel das Schutzgebiet in eine Art Dornröschenschlaf. Das hat nun ein Ende. Denn Mana Pools mit seinen Tierherden, die in der Trockenzeit von Mai bis Oktober zum Fluss ziehen, ist ein Traumziel für authentische Safaris.

Per Buschflieger zum Ziel

Hin kommt man per Buschflieger oder im Rahmen einer Selbstfahrertour. Es gibt rustikale Stellplätze für Camper, doch mehr vom Besuch und Komfort hat man in Camps der Safari-Unternehmen. African Bush Camps betreibt direkt am Flussufer ein Zeltcamp und zusätzlich im Hinterland, wo sonst kaum andere Reisende unterwegs sind, das Kanga Camp. Robin Pope Safaris ehrt mit dem John’s Camp die Safari-‧Legende John Stevens. Hier kann man sogar auf einer Aussichtsplattform schlafen und vom Bett aus den Sternenhimmel genießen.
Beim Kanufahren auf dem Sambesi und bei den Walking-Safaris im Busch führt einen hier der jahrelang trainierte Guide-Nachwuchs. Der muss in Mana Pools große Fußstapfen ausfüllen: Stretch Ferreira, raubeiniger Besitzer und Guide von Goliath Safaris, ist seit mehr als 30 Jahren vor Ort. Wer den Busch erklärt haben will, ist bei ihm falsch. Er macht keine großen Worte und bringt seine Gäste lieber so nah zu den Tieren wie keiner seiner Kollegen. Er führt sie zu Fuß zu Löwenrudeln. Und lässt sie sogar an noch größere Tiere heranrobben.

Besondere Magie

So wie jetzt. Zwei große braune Augen mit langen Wimpern mustern uns kleine Menschlein, die wir mucksmäuschenstill und ohne uns zu bewegen auf dem Boden sitzen. Der Blick, minutenlang durch kein Zwinkern unterbrochen, ist sanfter als der eines Raubtieres. Niemand aus der Gruppe kriecht noch den letzten Meter nach vorne oder streckt gar die Hand aus – das würde die Magie zerstören und wäre ziemlich gefährlich. Man könnte den Elefanten aber berühren, so nah frisst er. Der Bulle ist riesig. Und nicht gezähmt, sondern wild.
„Wie geht’s Dir, alter Junge? Ich hab’ Dich lange nicht gesehen“, hört man Ferreira sagen. In diesem Tonfall begrüßt er auch seine anderen Freunde aus der Tierwelt, denen er sechs Monate nicht begegnet ist, weil die Pisten von Mana Pools in der Regenzeit nicht befahrbar sind. Der Elefantenbulle ist entspannt und scheint zu wissen, wer der hochgewachsene Mann mit dem wild wuchernden Bart ist. Er schenkt ihm einen langen, nachdenklichen Blick, lupft den Rüssel – und zieht weiter. Um gleich eine besondere Show abzuziehen. Erst testet der Koloss mit einem Wiegeschritt die Festigkeit des Untergrunds. Dann erhebt er sich auf die Hinterbeine, streckt den Körper, fährt den Rüssel aus und – krach – reißt einen Ast herunter. Elefanten als Akrobaten: So etwas gibt’s nur in Mana Pools.

Helge Bendl

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