Myanmar

Vom Rhein auf den Irrawaddy

Die Königsstadt Bagan bildet mit mehr als 2.000 Sakralgebäuden aus Ziegelstein eine der größten archäologischen Stätten Südostasiens.

Orient Express kreuzt mit der Road to Mandalay durch Burma

Ein ehemaliges KD-Schiff erlebt in Burma – im Hintergrund Mandalay – seinen zweiten Frühling. Fotos: rfk

Man muss entweder ein Helfersyndrom haben oder ein wenig verrückt sein, um ein ausgemustertes Köln-Düsseldorfer-Fahrgastschiff, Baujahr 1964, zu erstehen, per Spezialtransport über den Indischen Ozean zu bringen und in Rangun zu einem luxuriösen Flusskreuzfahrtschiff umbauen zu lassen - noch dazu in politisch explosiven Zeiten: als die unbeugsame Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im Hausarrest schmorte, und die burmesische Militärjunta weltweit geächtet war.

Doch die wagemutige Idee von Orient-Express-Gründer James Sherwood, den alten KD-Kahn auf dem fernen, 2.000 Kilometer langen Irrawaddy einzusetzen, zahlt sich jetzt aus. Seit vergangenen Dezember US-Außenministerin Hillary Clinton auf Staatsbesuch beim frisch installierten burmesischen Präsidenten Thein Sein weilte, um anschließend zur Oppositionellen Aung San Suu Kyi zu eilen, wird spekuliert, wohin Burmas Reise nun geht. Das Magazin Spiegel schrieb von einer "Zeitenwende" und vom "Burma-Jahr 2012", und tatsächlich scheint der nachweisbare Öffnungsprozess unumkehrbar zu sein.

Für die Passagiere der 43 klimatisierten Kabinen des Kreuzfahrtschiffes Road to Mandalay beginnt das Vorprogramm mit der berühmten Shewedagon-Pagode auf dem Tempelberg der Fünf-Millionen-Metropole Rangun. Mehr als 1.000 Besucher finden sich im Gewirr goldglänzender Heilig?tümer zum Sonnenuntergang ein.

Eine Stunde dauert der anschließende Flug bis zur Königsstadt Bagan, wo das eigentliche Flussabenteuer nach dem Einchecken an Bord beginnt - mit dem ersten Landausflug: Aus den Tempelfeldern ragen Hunderte Stupas und Pagoden mit burgähnlichen Zinnen, Türmen und schimmernden Kuppeln aus dichtem Blätterwerk heraus, weshalb sich der hiesige Heißluftballonanbieter "Balloons over Bagan" mit acht gut gebuchten Fluggeräten an den heiligen Stätten erfolgreich positioniert hat. Frühaufsteher erleben in der still dahinschwebenden Montgolfiere mystische Bilder von umwerfender Schönheit.

Zwei Tage flussaufwärts kommt die ?alte Königsstadt Mandalay mit goldglänzenden Kuppeln in Sicht, wo im Klosterbezirk der Sagaing Hills über 10.000 buddhistische Mönche und Nonnen leben und meditieren. Vom Haupttempel, der Soon U Shu Pagode, geht ein unwirklicher Blick über den silbrig glitzernden Irrawaddy, an dessen Ufern die Road to Mandalay zwischen güldenen Kuppeln vor Anker liegt.

Mit dem Ende der politischen Isolation hat der touristische Wettlauf um die besten Plätze dieser sehr speziellen Kulturdestination begonnen. "Unser tief religiöses Land muss einen eigenen Weg finden", meint Kapitän Myo Lwin mit Blick auf die Entwicklungen im benachbarten Thailand und anderswo. Massentourismus mit den bekannten Folgen könne hier keinesfalls sein, sagt er.

Ob Orient-Express das nächste Schiff schon auf der Bestellliste hat? Es gebe nur eine "Queen", lächelt Lwin weise, wenngleich die Londoner Zentrale für das laufende Geschäftsjahr bereits eine Verdopplung der Passagierzahlen avisiert hat. Auf jeden Fall, ist der Kapitän sicher, werden die Deutschen, von denen im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 10.000 ins Land der Tempel und Pagoden reisten und die an Bord nach den USA und Großbritannien das drittgrößte Segment stellen, ihrem burmesischen Schiff aus Köln treu bleiben.
Roland Karl

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