Singapur

Singapur: Jenseits der Orchard Road

Tolles Fotomotiv: In der Emerald Hill Road stehen bunte Shophouses aus dem 18. und 19. Jahrhundert

Unentdeckte Fleckchen der Megametropole

In den Geistershops gibt es „Nützliches“ für die Verstorbenen. Fotos: fh

Das klassische Programm der Singapur-Touristen ist ziemlich einfach: Einen Shopping-Bummel über die Orchard Road mit ihren Einkaufszentren, eine Stippvisite in Little India und am Abend geht es über den Nachtmarkt von Chinatown.
Am nächsten Tag noch ein wenig koloniales Sightseeing und schon ist der westliche Reisende wieder auf dem Sprung ins nächste Land.
Das ist schade, denn die Metropole Singapur ist nicht nur sauber und sicher, sondern manchmal auch ziemlich überraschend, blickt man einfach einmal hinter die Fassade des vermeintlich so sterilen Stadtstaates.

Wo die Händler wohnen

Zum Beispiel in die Welt der Peranakan, den reichen chinesischen Händlern des 18. und 19. Jahrhunderts, die in Singapur malaiische Frauen heirateten und damit ganz nebenbei eine einzigartige Mischkultur entstehen ließen. Ihre Häuser stehen vor allem im Stadtteil Katong, aber auch ganz in der Nähe der Orchard Road. Wer nun am Peranakan Place kurz nach Norden auf die Emerald Hill Road abbiegt, ist gleich mittendrin in einer fremden Welt, die mit Einkaufszentren nichts zu tun hat.
Rechts und links säumen opulent verzierte Shophouses aus dem 19. Jahrhundert die Straße, jedes einzigartig, mit viel Liebe restauriert und wie eh und je bewohnt.

Sehr „westlich“ sei die Stadt, wirft man ihr oft vor, und nicht wirklich asiatisch geprägt. Das ist jedoch weit gefehlt. Denn spätestens bei dem Besuch eines „Geistershops“, etwa in der Smith Street, steht der westliche Besucher rätselnd vor den Exponaten aus Papier, die oft täuschend echt gestaltet sind: Die neuesten Handy-Modelle, bunte Handtaschen oder aber Fahrräder.
 Dazu gesellen sich auch Gebisse und Körperpflegeartikel, kurzum alles, was man auch im Jenseits noch gebrauchen könnte, baumelt hier von der Decke.
Sogar die eine oder andere Mätresse ist dabei. Der Transfer ins Jenseits erfolgt per Feuer: Im Tempel, auf dem Friedhof, manchmal auch einfach in einer Metalltonne im Hinterhof werden die Sachen verbrannt und so den verstorbenen Familienangehörigen übermittelt.
Nur als Mitbringsel eigenen sich allerdings die Papierwaren nicht, denn Lebenden damit ein Geschenk zu machen, soll Unglück bringen.

Die kleinen Imbissstände der „Hawker“ gibt es wirklich überall in Asien, doch nirgendwo sonst haben sie ihre Kunst so zur Perfektion gebracht, wie in Singapur. Und das nachweislich auch noch unter besten Hygienestandards.
Live zu erleben sind die besuchenswerten Stände auf Hunderten so genannter Food Courts (überdacht) und Hawker Centers (im Freien) wie beispielsweise im bekannten Food Court Tiong Bahru oder im Makansutra Gluttons Bay an der Harbourfront.

Ein riesiger Food Court im Freien

Zu besonderem Ruhm hat es der Lau Pa Sat gebracht, der jeden Abend größtenteils neu aufgebaut wird. Nach Sonnenuntergang wird die Boon Tat Street im Financial District kurzerhand gesperrt und im Handumdrehen verwandelt sich die Straße rund um die eigentliche Metallkonstruktion des Food Courts in einen Mega-Grill.
Weil sie quasi als Kulturgut gelten, zahlen die Hawker übrigens keine Steuern – kein Wunder, dass sie zudem auch noch günstig sind.

Francoise Hauser

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