Do 17.05.18

Paros: Den Charme bewahrt


Ein Wiedersehen mit der Kykladeninsel nach über 50 Jahren


Paros ist ein Traum in Weiß

Paros ist ein Traum in Weiß

Den „Bumm“ miterlebt: Giannis Vasikopoulos / Fotos: sw

Den „Bumm“ miterlebt: Giannis Vasikopoulos / Fotos: sw

Rumpelnd schiebt sich die Fast-Ferries-Fähre Ekaterini in den engen Hafen von Parikia, der Hauptstadt von Paros. Markerschütternd schrammt Metall an Beton entlang. Im Hafen stehen alte, schwarz gekleidete Frauen und flüstern „Rooms, rooms“. Im so ergatterten Zimmer gibt es nur stundenweise Strom und zwei Stunden am Tag Wasser. Wenn wir diese verpassen, müssen wir uns mit Wasser aus riesigen Amphoren übergießen. Das Frühstück im Kafenion am Hafen der Inselhauptstadt ist sehr karg: Nescafé, Toast und ein Klecks Marmelade.

Paros im Jahr 1964 auf meiner ersten Griechenland-Reise. Paros habe ich nie mehr besucht. In Erinnerung geblieben ist eine schneeweiße Kykladeninsel mit freundlichen Bewohnern, herrlichen Stränden und vielen Sehenswürdigkeiten. Ein touristisches Paradies also.

Das wollte ich wiedersehen und machte mich auf die Reise. Die Fähre von Piräus nach Paros war modern und komfortabel, nicht so ein – gefühlt – schwimmender Schrotthaufen wie vor 54 Jahren. Im Hafen können jetzt drei Fähren gleichzeitig anlegen. Gab es damals auf der ganzen Insel nur vier Hotels, sind es heute 138. „Bis 1980 war Naussa ein kleines, traditionelles Fischerdorf,“ erinnert sich Giannis Vasikopoulos, der mit 73 Jahren ehrenamtlich das Heimatmuseum Naussa betreut.

Tourismus-Boom seit den 80ern

Und dann kam, was Giannis „ein Bumm“ nennt: Der Tourismus überrollte die Kykladeninsel. Traf früher zweimal pro Woche eine Fähre ein, sind es heute in der Hochsaison bis zu 20 am Tag. In der gefragtesten Hochsaison kann es eng werden in Parikia oder Naoussa, wo sich ein Restaurant an andere reiht, Bars miteinander konkurrieren und vor allem „Rooms to let“ und „Studios“. Dann müssen Gäste aufpassen, nicht unter die Räder eines der vielen Quads zu geraten. Betrunkene Jugendliche sind dann keine Seltenheit mehr. Die Insel hat 15.000 Bewohner, im Sommer explodiert die Zahl aufs Zehnfache.

Strenge Bauvorschriften

Aber Paros hat so viele Strände, dass jeder sein Plätzchen findet. Auch gibt es Orte wie Prodromos ohne Autos und Mopeds, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Bausünden sind nirgends zu finden. „Auf den Kykladen darf nur zweistöckig gebaut werden“, betont Jiorgos Bafitis, Präsident der Hotelvereinigung von Paros. Hotels dürfen nicht mehr als 50 Zimmer haben, sein Hotel Kalypso in Naoussa hat nur 40. Vorgeschrieben sind auch die traditionelle weiße Farbe der Häuser sowie Holzfensterrahmen und -türen, diese in Blau oder Grün.

Rund 80 Prozent der Familien leben vom Tourismus, viele der Helfer kommen aus Albanien. Auffallend ist die Freundlichkeit und Offenheit der Inselbewohner. „Das kommt davon, dass wir so lange zur See gefahren und den Umgang mit Fremden gewohnt sind“, sagt Vasikopoulos.

Es gibt viel zu entdecken

Paros hat so viele Sehenswürdigkeiten, dass Urlauber mühelos eine Woche mit Sightseeing verbringen können. Allen voran die Panagia Ekatontapyliani, eine der prächtigsten byzantinischen Kirchen ganz Griechenlands – und nur eine von 450 Kirchen, Kapellen und Klöstern auf Paros.

Ein detailgetreuer Nachbau der Kathedrale ist Star im sehenswerten Freilicht-Miniaturmuseum in Aliki, an dessen Modellen Benetos Skaras 40 Jahre lang gewerkelt hat. Bei uns praktisch unbekannt ist der Bildhauer Nikos Perantinos, dem in Marpissa ein Museum mit 200 Skulpturen gewidmet ist.

Und wo der berühmte, fast durchsichtige parische Marmor gefördert wurde, kann auch besichtigt werden. Die drei Stollen sind zwar gesperrt – aber wen stört so etwas schon in Griechenland.


Horst Schwartz

 

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