Bulgarien

Kalofer: Immer der Nase nach

Bulgarien ist der weltgrößte Erzeuger von Rosenöl

Im „Tal der Rosen“ wird die Tradition der Rosenölherstellung seit Jahrhunderten gepflegt

Das Pflücken der Blüten ist mühsame Handarbeit

Duftende Landschaften: Blick über ein Rosenfeld bei Kalofer. Bilder: hb

Wie ein Baldachin spannt sich der Duft über die Felder. Jedes Mal, wenn die Blätter rascheln, bringt der Wind einen Hauch jenes verführerisch-süßlichen Parfüms mit sich, das die Landschaft aufgelegt hat. Das ganze Tal scheint von den zarten Aromen durchdrungen, dazu das Pink von vielen Milliarden rosafarbenen Blüten: Wer da nicht ins Schwärmen kommt, der hat vermutlich ein Herz aus Stein.

Sobald die ersten Sonnenstrahlen übers Balkangebirge blitzen, schwärmen in Bulgariens „Tal der Rosen“ die Bienen und die grün wie Smaragde funkelnden Rosenkäfer aus. Aber auch jene Menschen, die tagtäglich den Dornen trotzen, so wie die Geschwister Nikolina Baneva und Stoil Bachkarov und ihre Erntehelfer aus dem Freundeskreis. Alljährlich ab Mitte Mai verbringen sie fast vier Wochen lang Morgen für Morgen auf ihrem Feld am Ortsrand des Dörfchens Kalofer. Dort, im Herzen Bulgariens, pflücken sie in Handarbeit einen einzigartigen Schatz.

Das teuerste ätherische Öl der Welt

Wo sich das Balkangebirge und die Bergkette Sredna Gora bis auf wenige Kilometer nähern, liegt das berühmte Rosental. Dort wächst seit vielen Hundert Jahren, prächtig wie nirgendwo sonst auf der Welt, die Damaszener-Rose. „Sie duftet reiner, intensiver als andere Sorten – ihre kleinen, pinkfarbenen Blüten enthalten deutlich mehr Duftmoleküle als alle anderen Varianten oder das aus Hagebutten gepresste Wildrosenöl“, erklärt Alexander Draganov. Seine Firma Rosbio Bulgaria und das Traditionsunternehmen Enio Bonchev destillieren Öl für die besten Parfüms der Welt: Nicht weniger als 3.000 Kilo Rosenblüten benötigen die Fachleute für ein einziges Kilo Öl. Auf dem Weltmarkt zahlt man dafür 10.000 Euro. Rosenwasser ist ein deutlich günstigeres Mitbringsel – doch auch das sollte man nicht am Souvenirstand, sondern direkt in der Destillerie kaufen.

Rosental als Reise- oder Ausflugsziel

„Den Zauber der Damaszener-Rose kann man nicht beschreiben, man muss ihn erleben“, sagt Ekaterina El Batal. Die in Bulgarien geborene Berlinerin organisiert einwöchige Reisen zur Zeit der Rosenernte. Man hilft den Einheimischen beim Pflücken, verarbeitet die Ernte zu Marmelade und Essenzen. Auch der Hamburger Reiseveranstalter drp Kulturtours, Mitglied im Forum Anders Reisen, hat eine zehntägige Reise ins Rosental im Programm. Dabei geht es ebenso zu einem Blumenfest: Der blühende Schatz wird mit Paraden und Schaupflücken in traditionellen Kostümen gefeiert.

Wer nur kurz den Duft der Blüten schnuppern möchte, kann nun das Rosental als Ausflug von der Hauptstadt Sofia oder den Schwarzmeerstränden erkunden. Um die vielen Natur- und Kulturschätze Bulgariens zu erleben, darunter das Thrakergrab von Kasanlak mit seinen gut erhaltenen Wandgemälden, braucht man hingegen mehr Zeit. Studiosus hat 2019 zwei ausführliche Touren im Programm: Die Studienreise „Klöster, Berge und Meer“ sowie die Wanderstudienreise „Stille Landschaften“. Neben dem Rosental stattet man auch dem benachbarten Plovdiv einen Besuch ab. Der Ort mit seinem berühmten römischen Amphitheater ist nämlich wie das italienische Matera in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas.

Helge Bendl

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