Island

Westfjorde: Rauer Charme

Idyllische Einsamkeit in den isländischen Westfjorden

In den Westfjorden bewegt man sich zwischen Superhelden, Hot Pots und zerklüfteten Felsen

Magnus Karl Petursson vor der alten Heringsfabrik. Fotos: uf

Fast scheint es, als stehe hier die Welt still. Vier Autostunden entfernt von Islands pulsierender Metropole Reykjavik heißen nun die Westfjorde die Besucher herzlich willkommen, mit ‧rauem Charme und großer Natürlichkeit. Vorbei geht es an diversen Häusern, die Straßen schlängeln sich entlang der Küsten. Immer wieder tauchen neue Felsformationen auf, färbt das Licht die Hänge in ein sattes, mal in ein etwas blasseres Grün. 
Ziel der Fahrt an diesem Tag ist Djupavik, ein Örtchen mitten im Nirgendwo, das trotz nur einer Handvoll Einwohner über ein Hotel verfügt. Magnus Karl Petursson ist einer der Bewohner. Er stammt aus Reykjavik. Seinen Job hängte er an den Nagel, um gemeinsam mit seinen Schwiegereltern dieses besondere Hotel inmitten der Einsamkeit zu führen. Das Ehepaar ist vor mehr als 30 Jahren an diesen idyllischen Ort gekommen, der einst nur aus einer Heringsfabrik und einem Wohnhaus für die Arbeiterinnen bestand. Das Ziel des Ehepaares: die Geschichte dieses besonderen Ortes zu wahren. 

Einiges hat sich seitdem verändert: In dem Haus der Arbeiterinnen werden seit 1985 Gäste empfangen, die Heringsfabrik dient mittlerweile als Museum, durch das Petursson die Besucher führt. Es ist eiskalt im Inneren. Bilder an den Wänden dokumentieren das geschäftige Treiben von einst. 
Dass diese Gemäuer als Kulisse für einen Block-buster dienten, darauf deutet zunächst nichts hin. Eher beiläufig berichtet Petursson, wie Hollywood vor ein paar Jahren das Leben der Bewohner von Djupavik für einige Wochen auf den Kopf stellte. Wie Ben Affleck und Jason Momoa vor Ort waren und für den Film „Justice League“ in die Rolle von Superhelden schlüpften. „Ben Affleck ist so groß, dass er für eine Reitszene gedoubelt werden musste. Auf einem Island-Pferd konnte er nämlich nicht sitzen“, sagt Petursson und schmunzelt.

Nicht nur der Filmdreh hat Djupavik in die Öffentlichkeit gerückt – zumindest ein klitzekleines Bisschen. Ab und an finden Konzerte in der ehemaligen Fabrik statt. Die isländische Band Sigur Ros beispielsweise gastierte schon in Djupavik. Ausstellungen gibt es hier, Fotografen geben Kurse in dieser einmaligen Kulisse, in der es vor besonderen Motiven nur so wimmelt. 
Vor allem in der Hochsaison von Juni bis August kommen Gäste nach Island und besuchen auch die Westfjorde. Doch die Nebensaison hat ebenso ihre Reize, sagt Petursson. „Man kann hier wunderbar entschleunigen, die Natur ist immer faszinierend.“ Einige Hotels der Westfjorde öffnen im Winter zum Beispiel ihre Türen für Yoga-Gruppen. 
Wenn Petursson Zeit findet, nimmt er die holprige Straße entlang der Küste in Richtung Norden. Knapp 40 kurvige Kilometer später ist Krossnes erreicht. Highlight ist die Krossneslaug, ein natürliches Freibad, das in den 50er Jahren direkt neben dem Nordatlantik gebaut wurde. 30 Grad warm ist das Wasser in dem Becken. Im Hot Pot ist es deutlich muggeliger, so dass die Einheimischen auch im Herbst nach einem harten Arbeitstag mit einem kühlen Bier im Wasser entspannen. Und den Blick auf den Atlantik genießen, mitten im Nirgendwo. 
 

Ute Fiedler
 


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Unter www.inspiredbyiceland.com in der Rubrik „plan-your-trip“ hat Promote Island eine Übersicht über sämtliche deutschen Veranstalter zusammengestellt, die Island im Portfolio haben. 

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