Mauritius

Anders als die Schwester

Zahlreiche Wanderwege auf Rodrigues enden immer wieder in geschützten Buchten.

Rodrigues: Die Mauritius-Nebeninsel lockt mit Natur und Gelassenheit

Im Schildkröten-Garten des Naturschutzgebiets Francois Leguat Giant Tortoise & Cave Reserve. Fotos: bg, ta

Der Eingang zur Höhle liegt wie ein dunkler Schlund in der felsigen Landschaft. Wer draußen in der Sonne steht, kann keinen Meter weit ins Innere des Berges schauen. Ein paar Schritte weiter ist es stockfinster und drückend heiß. Bleiern schwer hängt hier die stickige Luft, kein Geräusch ist zu hören. Es ist so still in der Höhle, dass man glauben könnte, plötzlich taub geworden zu sein. Ein schmaler, glitschiger Holzsteg windet sich durch das finstere Labyrinth, auch der Strahl der stärksten Taschenlampe wird von der Dunkelheit verschluckt.

Langsam und vorsichtig tastet sich Aurele mit seiner kleinen Touristengruppe voran. Immer wieder stößt jemand mit seinem Helm an tief von der Decke hängende Steine. "Aufpassen, wohin ihr tretet!", mahnt der Guide und seine Worte hallen dutzendfach in der Höhe wider. Dann taucht ein farbig illuminierter Saal auf - ein Naturschauspiel, wie es schöner nicht präsentiert werden könnte: Felsen sind in Rot, Blau und Grün perfekt in Szene gesetzt, spärlich beleuchtete Stalagmiten und Stalaktiten werfen gespenstische Schatten an die Wände oder stehen wie Wächter vor tief schwarzen Löchern.

Die Höhle gehört zum rund 18 Hektar großen Naturschutzgebiet Francois Leguat Giant Tortoise & Cave Reserve auf Rodrigues, der kleinen Insel rund 600 Kilometer nordöstlich von Mauritius, die so ganz anders ist als ihre große Schwester. Weder Luxus- noch Flitterwochen-Destination, das Eiland lockt mit unberührter Natur. Die Landschaft des Schutzgebiets ist felsig, mittendrin ein grünes Tal. "Das war früher eine Höhle, aber ihre Decke stürzte ein, und es blieben nur die Steilwände an beiden Seiten", erklärt Park-Manager Aurele. Ein ideales Zuhause für die Riesenschildkröten, die vor Jahrhunderten schon die Insel bewohnten, dann aber zusammen mit vielen endemischen Pflanzen ausgerottet wurden.

Behäbig und wie in Zeitlupe bewegt sich ein Bein vor das andere, nur ein kleines Stück des Kopfes lugt aus dem schweren Panzer. "Hallo meine Liebe, wie geht's dir heute?", fragt Aurele die Riesenschildkröte. Er kennt jede einzelne - dabei sind es mittlerweile Hunderte. Aurele krault das Tier am Hals, der sich immer länger herausreckt. Dann zeigt der Experte ein kleines Kunststück: Stupst er die Reptilien unter dem Kinn an, strecken sie alle vier Beine, richten sich auf und nichts erinnert mehr an das Tier, das eben noch träge seinen Panzer über die Wiese schleifte.

Das Naturschutzgebiet ist jedoch nicht die einzige Region auf Rodrigues, die einen Ausflug lohnt. Jean-Paul führt Wanderer an der Küste entlang. Viele Wege ziehen sich durch Wälder und Berge, die immer wieder unten am Strand enden. Dort liegen winzige, geschützte Buchten. "Von hier aus geht es immer wieder zurück in den Wald und hoch auf den nächsten Berg", zeigt der 23-Jährige hinauf. Hier zu wandern ist anstrengend, trotz des beständig kühlen Windes.

Rodrigues ist die Insel der Gelassenheit. Zeit spielt hier für die meisten Menschen keine große Rolle. Ein unaufgeregtes Leben, an dem sogar Touristen sofort teilhaben. Das ist Entspannung pur.
Daniela Kebel

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