Sri Lanka

Wolkenmädchen ohne Unterleib

Highlight fernab der Strände: der Vatadage-Tempel in Polonnaruwa.

Unterwegs im Dreieck der Königsstädte

Tänzer in Kandy: Der „Zahntempel“ ist ein Zentrum des Buddhismus. Fotos: Wikimedia, FVA Sri Lanka

Für einen reinen Badeaufenthalt ist Sri Lanka viel zu schade. Das Hochland im Inselinneren lohnt einen Abstecher von den Stränden. Religiöse Kultstätten und viel Unesco-Weltkulturerbe konzentrieren sich insbesondere im historischen Dreieck der Königsstädte Anuradhapura, Polonnaruwa und Kandy. Hier nur einige Höhepunkte:

Polonnaruwa
Nachdem der südin‧dische König Rajaraha 993 Sri Lankas ersten singhalesischen Königssitz Anuradhapura zerstört hatte, übernahm Polonnaruwa diese Aufgabe bis ins 13. Jahrhundert. Architektonisches Herzstück ist das Quadrangle, wo über halbkreisförmige Mondsteine der Weg in gut erhaltene Tempel führt. Buddhas Backenzahn wurde als Reliquie einst im Atadage- und dann im Hatadage-Tempel aufbewahrt, deren Mauern an Inka-Bauten erinnern.

Außergewöhnlich sind auch die Reliefs und sitzenden Buddha-Figuren des Vatadage-Rundtempels gegenüber. Vorbei an der hoch aufragenden Backsteinkuppel der Dagoba Rankoth Vihara führt der Weg zum ebenfalls Unesco-geschützten Felsenschrein Gal Vihara. Kunstvoll haben Steinmetze dort vier Buddha-Statuen in den Granit gemeißelt, darunter einen 14 Meter langen liegenden Buddha.

Sigiriya
Schon von weitem ist der Granit des 200 Meter aufragenden Löwenfelsens von Sigiriya zu sehen. Über uralte Wallanlagen geht es durch Wassergärten über 1.200 Stufen hinauf zu der Felsenfestung. Dorthin hatte sich der Vatermörder und König Kassyapa (459 bis 477) vor der Rache seines Bruders geflüchtet.
Oben sind nur noch die Grundmauern und eine noch immer funktionierende Zisterne zu sehen. Dafür wirken die Löwenkrallen, zwischen denen die letzte Treppe hinaufführt, monumental, und die Aussicht ist grandios.

Eigentlicher Höhepunkt dieses Unesco-Weltkulturerbes sind jedoch die 1.500 Jahre alten Fresken der Wolkenmädchen auf halber Höhe: Die Farben einiger der einst 500 vollbusigen Schönheiten sind noch gut erhalten. Ihren Namen verdanken die Damen ohne Unterleib der Tatsache, dass derselbe in einer Wolke verschwindet, wodurch sie zu schweben scheinen.

Kandy
Auf den Spuren von Buddhas Backenzahn führt der Weg ins 500 Meter hoch malerisch an einem See gelegene Kandy, wo die Briten 1815 Sri Lankas letzten König gefangen nahmen. In dessen zum „Zahntempel“ Dalada Maligawa umgebauten Palast wird heute die Reliquie aufbewahrt. In diesem Zentrum des buddhistischen Glaubens finden täglich drei Zeremonien statt, sehenswert sind auch Gartenanlagen und Architektur. Seit dem Bombenanschlag von 1998 gelten allerdings strenge Sicherheitskontrollen und ein Verbot für Mobiltelefone. „Kein Handy in Kandy“ reimt der Reiseleiter.

Am Stadtrand lohnt der 60 Hektar große Botanische Garten Peradeniya einen Besuch. Neben dem Orchideenhaus und Cocos de Mer von den Seychellen breitet sich im ehemaligen Königsgarten ein 1861 gepflanzter Benjamin-Baum über 1.600 Quadratmeter aus.
Christian Boergen

Kommentar schreiben