British Virgin Islands

Unberührte Ursprünglichkeit

Zwischenstopp für Segler: Bitter End auf Virgin Gorda.

British Virgin Islands: Auf den Karibikinseln wächst das touristische Angebot behutsam

Auf den Jungferninseln ist noch Raum für Robinson-Crusoe-Gefühle. Fotos: pa

Scrub Island ist wie eine Muschel. Die sandfarbene Fassade des neuen Luxus-Resorts auf den British Virgin Islands (BVI) erhebt sich abweisend über dem Meer. Doch in der Lobby wird der Gast mit Kunstperlen überrascht: abstrakte Gemälde und schwarz-weiße Foto-Arrangements an den Wänden. Edelsteinscheiben, Lupen, Vasen- und Schälchenfamilien auf den massiven Möbeln. Die Zimmer sind mit wuchtigen Küchenzeilen, Heimkino-Flachbildschirmen und soften Kissenbergen ausgestattet. Auf den Badewannenrändern lagert Strandgut, mit Silberfarbe bepinselt. Der Swimmingpool ist klein, aber mit Rutsche und Wasserfall. Die Bar im Restaurant wurde tiefer gelegt, damit sie den Gästen nicht den Blick aufs Karibische Meer verstellt.

Seit einigen Monaten bereichert Scrub Island (www.scrubisland.com) mit rund 50 Zimmern und Suiten das Übernachtungsangebot der British Virgin Islands im Luxussegment. Insgesamt zählt die Inselgruppe bei Puerto Rico gerade mal 1.300 Betten. Das größte Resort, Long Bay Beach auf der Hauptinsel Tortola, verfügt über 150 Zimmer.

Die Britischen Jungferninseln sind vom Massentourismus bislang unberührt geblieben – und haben das auch in der Zukunft vor. Laut Silke Langenkamp von der deutschen BVI-Vertretung existiert kein monströser Masterplan: „Die Inseln wollen ihre Ursprünglichkeit bewahren.“

Platz für neue Hotelanlagen gibt es jedenfalls reichlich: Weiß, sauber und unbescholten ziehen sich die Sandstrände dahin, Raum für Robinson-Crusoe-Gefühle vielerorts. Die Strände der Jungferninseln sind öffentlich, doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer Freizeitpirat spielt, und sich im Beiboot an die Privatinsel Neckar Island von Milliardär Sir Richard Branson heranpirscht, kassiert eine Abweisung. Die Reichen und Schönen wollen unter sich bleiben.

Die Wirtschaft des Britischen Überseegebiets wird heute maßgeblich vom Tourismus getragen, doch besteht bei einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent wenig Druck zum Ausbau. „Wer Arbeit finden will, der findet welche“, erzählt ein Kellner im Pusser’s, der lokalen Restaurantkette mit amerikanischen Fleisch- und Fischportionen (www.pussers.com).

Die meisten Gäste kommen auf die British Virgin Islands, um ihre Segelleidenschaft auszuleben. Keine Bucht mit Infrastruktur, deren Blau nicht mit weißen Katamaran-Punkten getupft ist. Nordamerika, Großbritannien, Italien und Deutschland zählen zu den wichtigsten Märkten. Obwohl bei der Einreise viele Daten abgefragt werden, gibt es keine neuen Statistiken. Vor vier Jahren wurden 25.000 deutsche Besucher gezählt, die Kreuzfahrtpassagiere eingeschlossen.

Auf Segler ist daher auch das Übernachtungsangebot kapriziert. Stege und Moorings – Ketten zum Festmachen der Schiffe – sind reichlich vorhanden. Wer der Kabinenenge entfliehen will, kann beispielsweise im Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda andocken (www.beyc.com). Die luftigen Bungalows sind auf mehreren Etagen angesiedelt und mit einem Geflecht aus Holzstegen verbunden. Von den Veranden mit Hängematte reicht der Blick auf Grün und Meer.

Das Restaurant am Ufer ist abends nur schummrig beleuchtet, die Mast-Enden der Katamarane glimmen wie Zigaretten im Nachthimmel. Der dunstverschleierte Mond trägt einen Heiligenschein, die karibische Badewanne leckt mit zartem Wellenschlag an Land. Für einen Schlummertrunk kann man mit einem kleinen Fähr-Shuttle nach Saba Rock übersetzen. Auf dem vorgelagerten Inselchen gibt es nichts außer einem Mini-Hotel und einer Bar.



Pilar Aschenbach


Weitere Infos gibt es beim BVI Tourist Board unter der Telefonnummer 0 21 04 / 28 66 71 und unter www.britishvirginislands.de.

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