Nicaragua

Sandboarding auf einem Vulkan

Granada – im Bild die Kirche La Merced – hat viel Kultur zu bieten.

Nicaragua bietet Abenteuer, Wildlife und Kolonialflair

Den Vulkan Cerro Negro kann man wunderbar herunterrutschen – wenn man sich traut. Fotos: mm

Wer auf den Vulkan Cerro Negro steigt, hat hinterher graue Haare, einen Schnurrbart und Sand zwischen den Zähnen. Sandboarding in Nicaragua ist der letzte Schrei junger Menschen auf ihrer Mittelamerikareise. In Schutzanzügen mit Handschuhen und Schutzbrille stehen sie in Reih und Glied am steilen Hang des aktiven Vulkankegels. Wer sich traut, surft den Vulkan 600 Meter abwärts auf einem Fieberglasbrett oder rutscht auf dem Hosenboden hinunter.

Soft Adventure auf feinster Vulkanschlacke. Das einst kriegszerrüttete Land hat riesiges Potenzial für jede Art von Urlaub: koloniale Städtchen, Abenteuer im Regenwald und fast 1.000 Kilometer einsame Strände an Pazifik und Karibik. Nicaragua ist noch immer eines der ursprünglichsten, preiswertesten und auch sichersten Länder in Zentralamerika - etwa im Vergleich zum touristisch-teuren Costa Rica oder dem eher riskanten El Salvador. In der Bischofsstadt Granada - Partnerstadt von Frankfurt am Main - locken restaurierte Kirchen und Gassen in allen Bonbonfarben viele nordamerikanische Touristengruppen an. Aber auch Investoren aus aller Welt, die baufällige Häuser und Paläste aufkaufen und restaurieren.

Doch noch ist diese Schönheit nicht wachgeküsst. Und so zischeln die gelangweilten Kutschenfahrer und Kunsthändler vor der Kathedrale dem Touristenguide auf Spanisch zu: "Sag ihr, sie soll was kaufen! "Das fast 500 Jahre alte Unesco-Städtchen Leon - Partnerstadt von Hamburg - entwickelt sich zum Drehkreuz für junge Erlebnishungrige: Rundherum stehen einige der rund 25 nicaraguanischen Vulkane Spalier, der Strand ist auch nur einen Katzensprung per Taxi entfernt.

Trotz der drei Universitäten und der Wachstumszahlen liegt Leon verglichen mit der Kolonialschwester Granada dennoch im touristischen Tiefschlaf. Die Touristenzahlen steigen zwar stetig und haben sich seit 2000 auf über eine Million im Jahr 2011 verdoppelt (12.000 Deutsche), doch die meisten Urlauber kommen aus den Nachbarländern. Beliebt sind "Eco"-Touren zu Kaffeefincas und zur Künstlerkolonie Solentiname, Flussexkursionen auf dem Grenzfluss Rio San Juan und die Surferspots an den Stränden. Kleine Ansätze für nachhaltigen Tourismus sind solarstrombetriebene Hütten aus tropischen Hölzern.

Naturkatastrophen, ausufernde Bürokratie und Korruption lassen den lang ersehnten Tourismus-Aufschwung dann auch nur im Schneckentempo vorankommen. Doch jetzt tut sich was. Die Landstraße nach San Carlos im Süden nahe der costaricanischen Grenze wurde nagelneu mit Weltbankmitteln gebaut. Sie führt in eine abgelegene Gegend, in die man bisher nur mit maximal 20 Stundenkilometern holpern konnte, im klapprigen Propeller-Flieger ab Managua oder per dreitägiger Bootstour über den Nicaragua-See.

Mit dem Boot geht es von hier weiter nach Los Guatuzos, in ein Naturschutzgebiet, in dem es nur so wimmelt vor zirpender, bellender und dösender Fauna. Die Ameisenbärin posiert auf dem Ast, ein Brüllaffe hält einen lautstarken Monolog, und erst diese witzigen knallgrünen Frösche.
Martina Miethig

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