Dominica

Dschungel-Camp

In dieser Kalinago-Hütte können Urlauber übernachten.

Ein Homestay-Programm zeigt das Leben der Kalinagos

Keith Valmond beim Kochen. Fotos: mc

Unser Gastgeber steht neben einer bunten Holztafel, sie weist auf sein Anwesen im Dschungel hin. Keith Valmont, Anfang 30, vom Volk der Kalinagos, ist Plantagenbesitzer und Vermieter einfacher Hütten im Stil der indianischen Ureinwohner.Es geht einen steilen Trampelpfad hinauf. Die Luft ist schwülheiß.

Oben angekommen, empfangen uns Hunde und Hühner. Es dämmert. Keith präsentiert den Vorratsgarten, die Freiluftküche, das Plumpsklo und die Gästehütten, selbstgebaut aus Palmzweigen. Drinnen sind zusammengenagelte Liegestätten zu erkennen. Auf diesen liegen dünne Matratzen und Moskitonetze. Herzlich willkommen im Dschungel-Camp!

Nachdem das Gepäck verstaut ist, ruft uns Keith in die so genannte Outdoorlounge, die aus einigen Baumhälften besteht. Wir sitzen an einem langen Holztisch aus dem Gomme-Baum - daraus haben seine Vorfahren noch Kanus gefertigt. Keith kommt ins Erzählen: Die Plantage habe er von seinem Vater übernommen. Der handelte noch vor wenigen Jahren mit Bananen, bis die Preise auf dem Markt verfielen.

Keith setzt nicht auf Abhängigkeiten. Er ist Selbstversorger und baut Früchte und Gemüse an, verkauft hie und da ein bisschen. Was er zum Essen braucht, wirft die Natur ab: Kokosnüsse, Papayas und Mangos. Trinkwasser schafft er aus einem Fluss heran. "Die Natur gibt uns alles", sinniert er. Seine Urväter kamen vor Jahrhunderten vom Festland. Die Insel-Kariben, auch Kalinagos, sind die letzten Indianer im Karibischen Meer. Im Nordosten Dominicas leben rund 3.500 von ihnen in einem Reservat, dem Kalinago Territory.

Zurückhaltung gegenüber Fremden ist bei den Kalinagos eigentlich üblich. Doch das recht junge Homestay-Programm bringt Kalinagos und Besucher näher zusammen. Es vermittelt Privatunterkünfte bei Einheimischen und gibt Einblicke in die uralte Kalinago-Kultur. Ohne Schnörkel und ohne Gekünstel - und mitunter auch ohne fließend Wasser und Strom. "Die Homestays helfen uns, unsere Traditionen und unsere Würde zu bewahren", sagt Dangleben, Manager eines Kalinago-Kulturzentrums. Denn abseits der mühsamen Landwirtschaft würden sich neue Einnahmequellen erschließen.

Das Kulturzentrum Barana Aute im Örtchen Crayfish River verwaltet die Homestays. "Die Besucher wollen authentische Erfahrungen", weiß Manager Dangleben. Von der schlichten Strohhütte bis zum Zimmer mit Bad und WC sind verschiedene Kategorien im Angebot. "Doch es werden fast nur die einfachen Unterkünfte nachgefragt", sagt er. Vor allem Wanderer auf dem Waitukubuli National Trail checken ein, denn der Fernwanderweg führt durch das Kalinago-Territory.

Doch zurück zu unserem Aufenthalt bei Keith. Nach drei Tagen bekommen wir zum Abschied die geballte Faust. Achtsam berühren sich unsere Fingergelenke. Ein Grußritual auf Dominica. "Händeschütteln ist was für Fremde", sagt Keith, "die Faust ist für Freunde."



Martin Cyris

Kalinago-Kultur
Auskünfte zur Kalinago-Kultur gibt es unter www.kalinagoterritory.com. Dort können auch die Unterkünfte gebucht werden. Sie kosten 20 US-Dollar für eine einfache Hütte beziehungsweise 30 US-Dollar für ein Zimmer. Allgemeine Auskünfte sind über das Dominica Tourist Office, Kirsten Boucard, unter der E-Mail kirsten.boucard(at)tropical-consult.de und der Telefonnummer 07 11 / 26 34 66 24 erhältlich.

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