Kuba

Frühstück unterm Avocadobaum

Eine Alternative zu Hotels sind die Casas Particulares.

Deutsche Veranstalter nehmen private Pensionen auf  

Ein Casa von innen. Fotos: Aventoura

„Herzlich willkommen. Ich bin Martin. Gib mir Deine Tasche, ich zeige Dir das Zimmer“, sagt Martin. Gemeinsam mit Frau Emiliana und Tochter Jenni führt der pensionierte Lehrer in der kubanischen Unesco-Weltkulturerbestadt Trinidad eine private Pension, ein so genanntes Casa Particular.

Beherzt greift Martin das Gepäck und führt mich durch sein Häuschen. Im Wohnzimmer ein TV mit Flachbildschirm und ein Sofa mit Schondecken. Auf den Regalen stehen die für kubanische Wohnungen so typischen chinesischen Nippesfiguren. Im nächsten Raum der nächste Flachbildschirm, davor ein Schaukelstuhl, daneben die Waschmaschine und ein Hometrainer.

Dann schließt er das Zimmer auf, das für die nächsten Tage mein Zuhause sein wird: ein Bett, ein Kühlschrank, ein kleiner Schrank, ein Bad mit Toilette und Dusche, Aircondition und Ventilator – und alles sehr sauber. Sitzmobiliar gibt es nicht. Aber wer will schon drinnen sitzen, wenn man im Garten unterm Avocadobaum in der Hängematte liegen kann?

Martin fragt nach meinem Pass, um mich in sein offizielles ‧Übernachtungsbuch einzutragen. „Sag Bescheid, ob und wann Du noch frühstücken willst.“ Ja, ich will. Und zwar sofort. Schnell wird der Tisch unterm Avocadobaum eingedeckt, kommen Omelette, Brot, Marmelade, frisch gepresster Saft und Früchte auf den Tisch. „Brauchst Du noch etwas? Willst Du noch Saft mitnehmen?“, fragt Martin und überreicht mir Zimmer- und Wohnungsschlüssel.

Casas Particulares – erkennbar durch ein blaues Symbol an der Wohnungstür – heißen auf Kuba die privaten Pensionen, in denen die Hausherren meist gemeinsam mit ihren Gästen übernachtet, Familie auf Zeit sozusagen. Wenn man möchte, wird man betüddelt von vorne bis hinten, schaut gemeinsam im Familienfernseher die Daily Soap oder Fußballspiele, spielt mit den Gastgebern Schach, trinkt den einen oder anderen Schluck Rum (Achtung: Der erste Tropfen einer neu geöffneten Flasche wird meist auf den Boden gekippt, er ist für die Götter) und diskutiert auf Spanisch oder mit Händen und Füßen.

Die Casas Particulares sind kein Zeichen für die derzeitige Öffnung Kubas, es gibt sie schon seit mehr als zehn Jahren. Dass deutsche Veranstalter bei ihren Reisen in den Casas übernachten, ist allerdings erst seit 2012 wieder offiziell möglich. Denn gerade in gefragten Orten und Regionen wie Trinidad, Cienfuegos, Baracoa mit dem Humboldt-Nationalpark und der Tabakregion um Vinales haben die Hotels ständig überbucht – mit der Folge, dass einige Veranstalter, die mehrmals auf andere Häuser oder sogar andere Orte umbuchen mussten, keine Rundreisen mehr angeboten haben.

„Im vergangenen Jahr wurde es dann mit den Überbuchungen so schlimm, dass der kubanische Staat nicht mehr verboten hat, als Alternative Casas Particulares zu nehmen,“ erklärt Christoph Blaha von der Incoming-Agentur Cuba Real Tours, die unter anderem für Dertour, Airtours, Wikinger, Gebeco und Travel-to-Nature arbeitet.

Seit diesem Jahr übernachten die Gäste der Marco-Polo-Minigruppe Kuba in den privaten Pensionen, Destinationsspezialist Aventoura bietet diese Möglichkeit für verschiedene Gruppen- und Mietwagentouren und für einzelne Nächte an. Und mit Neckermann hat in diesem Winter auch der erste Pauschalveranstalter sein Programm umgestellt: Bei vier Mietwagenreisen übernachten die Gäste sowohl in Hotels als auch in Casas Particulares.
Sylvia Raschke

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