St. Maarten

Geteilt und glücklich

Nummernschild mit der Aufschrift freundliche Insel.

Ein Besuch auf St. Martin zwischen Beach, Baguette und Gouda

Strand im holländischen Teil mit Blick auf die Kreuzfahrtschiffe. Fotos: bk

Wo ist denn überhaupt die Grenze? Das fragen sich viele Touristen an den 40 hellen Stränden der Insel – entweder im französischen Saint Martin oder im niederländischen Sint Maarten. Zum Glück taugen ein halbes Dutzend über das hügelige, grüne Eiland verteilte Grenzsteine mit Meer und Palmen im Hintergrund als Fotomotive.

„Meinen Führerschein habe ich dabei, meinen Pass nicht“, sagt Robert Chittick. Der 78-Jährige, der nur Englisch spricht und einen EU-Pass der Niederlande besitzt, fährt oft die zehn Kilometer zwischen seiner Hauptstadt Philipsburg ins französische Marigot, um Freunde und Verwandte zu treffen. „Im Vergleich zu anderen Inseln haben wir wenig Sorgen. Ich bin glücklich“, sagt der Rentner.

Die meisten „Grenzgänger“ hat das Captain ‧Oliver’s am Oyster Pond. Die Gäste des „geteilten“ Hotels schlafen in Frankreich, frühstücken und dinieren aber in den Niederlanden. Dabei spazieren sie über die kleine Grenzbrücke der Anlage. „No problem“ sagt der Barkeeper dazu und mixt noch ein paar Cocktails zum Sonnenuntergang.

St. Martin, wie die Insel offiziell heißt, ist Europa und dem Rest der Welt weit voraus: Keine Kriege seit 365 Jahren! Holland und Frankreich einigten sich 1648 auf friedliche Koexistenz und Freihafenstatus. Und diese Regelung hat noch heute Bestand. Knapp 80.000 Einwohner leben auf der Insel im Norden der Kleinen Antillen. Darunter sind viele Dominikaner und Haitianer, die sich hier ein besseres Leben versprechen.

In beiden Inselteilen herrscht ein bunter Völkermix. Nahe Marigot klettert eine junge Frau in den Kleinbus, knabbert an einem Baguette. „Bonjour Madame“, sagt der Fahrer, ein Haitianer, freundlich. Er nimmt zwei Dollar für die Fahrt nach Philippsburg, auch Euro und Karibische Gulden aus dem holländischen Teil. Damit zahlt wenig spätere eine ältere Frau, aus deren Korb Gouda und Gurken lugen.

Die Duty-Free-Insel ist Einkaufsparadies und ein beliebtes Kreuzfahrtziel. Deshalb drängen sich durch die Einkaufspassagen in Philipsburg täglich bis zu 8.000 Tagesgäste. In französischen Marigot geht es lässiger und eleganter zu. Edelyachten und kleine Kreuzfahrtschiffe im oberen Preissegment glitzern im Meer.

Steigt der Urlauber auf einen der vielen Hügel, ist die Aussicht grandios: Im Vordergrund Lagunen, Yachten, Segelboote, Landzungen, Strände und Hotels am blaugrünen Karibikmeer. Auf dem Airport im holländischen Teil sind zwei Flugzeuge von KLM und Air France zu erkennen, auf dem Flughafen im französischen Teil ist gerade kein Flugzeug zu sehen. In der Ferne grüßen das britische Anguilla, Hollands St. Eustatius und Saba sowie das unabhängige St. Kitts und Nevis.
Bernd Kubisch

Kommentar schreiben