Grenada

Mehr Strände als Ampeln

Jogger an der ‧Grande Anse Bay.

Sand, Skulpturen, Sandals und Munich: Grenada hat nicht nur die Muskatnuss

Unterwasserskulpturenpark vor der Küste von Grenada. Fotos: jm, FVA Grenada

Der Banker steckt den Kopf in den Sand. Der Journalist sitzt einsam an seinem Schreibtisch. Und 26 Menschen bilden Hand in Hand einen Kreis, den Blick in die Ferne gerichtet. Was alle verbindet: Sie sind Kunstobjekte, nicht in irgendeinem Museum ausgestellt, sondern etwa sechs Meter unter dem Meeresspiegel auf dem Grund der Moliniere Bay vor der Küste Grenadas, gerade mal drei Kilometer vom Hauptstädtchen St. George’s entfernt. Jason Taylor – Vater Engländer, Mutter aus Guyana – begann 2007 mit diesem weltweit ersten Unterwasserskulpturenpark.

Taucher können der Sache genauer auf den Grund gehen, sich die Schreibmaschine des Journalisten anschauen oder die verschiedenen Gesichtsausdrücke derjenigen studieren, die den imposanten Kreis bilden. Aber auch Schnorchler bekommen schöne Eindrücke, vorausgesetzt das Wasser ist klar genug. Denn die Sicht kann durch Strömungen durchaus beeinträchtigt werden.

Grenada wird häufig nur in einem Atemzug mit seinen Stränden und Gewürzen genannt. Nicht zu Unrecht, denn es gibt auf dem nur 30 mal 15 Kilometer kleinen Eiland 54 Badestrände (bei nur acht Verkehrsampeln ...) und Grenada liefert knapp ein Viertel des Weltbedarfs an Muskat. Die Nuss ist sogar auf der Nationalflagge dargestellt.

Berge und weitere Tauchplätze, Regenwald und Wasserfälle gehören aber ebenfalls zur Insel wie seit Frühjahr 2014 auch das erste echte All-inclusive-Resort von Sandals sowie noch ein weiteres wichtiges S, das Sea, Sand und Sun noch angenehmer macht: Sicherheit. Alexandra Otway-Noel, Grenadas Tourismusministerin, sagt: „Grenada ist so sicher, wie kaum eine andere Karibikinsel.“ Den Mietwagen kann man tatsächlich mit offenen Fenstern stehen lassen. Es wird nicht ‧gebettelt und übervorteilt, denn Grenada ist kein Gimme-A-Dollar-Land.

Und dem Premierminister Keith Mitchell begegnen die Leute auf offener Straße in der Hauptstadt St. George’s. Zuweilen sagen sie ihm, was sie bedrückt. Ein anderes Mal trinken sie ein Bierchen mit ihm: Im Carib-Shop, am kleinen Strand von Fontenoy, ist Mitchell immer wieder anzutreffen. Die kleine Bar liegt an der Karibikküste von Grenada, praktischerweise auf halber Strecke vom Regierungssitz nach Happy Hill, seinem Wohnort. Dann wird geplaudert: über Kricket, das Wetter oder Fischen ... Wo in aller Welt gibt es so was schon?

Ab November ist Grenada wieder samstags ab Frankfurt nonstop mit Condor zu erreichen. Schade, dass nicht ab München geflogen wird, denn im Inselinneren gibt es ein Hundert-Seelen-Dorf mit Namen Munich. Eine nicht re‧präsentative ta-Umfrage ergab jedoch, dass dort weder der FC Bayern noch das Oktoberfest bekannt sind ...
Jochen Müssig

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