Ras Al Khaimah

Eldorado für Wassersportler

In Ras Al Khaimah werden heute wieder Perlen gezüchtet.

Ras Al Khaimah punktet mit schönen Stränden und Beschaulichkeit

Bootstour mit Mohamed Al Suweid. Fotos: ld

Eine Jeep-Safari ins Hajar-Gebirge hinauf, das kann man im Emirat Ras Al Khaimah im Norden der arabischen Halbinsel erleben. Zuerst löst Fahrer Ahmed Gkhan eine Kette, die den Weg aufwärts versperrt. „Der Berg gehört jemandem, den ich kenne“, sagt er, „nur ich darf hier durch“. Und los geht die Fahrt steil nach oben, auf einer kaum sichtbaren Piste. Ockerfarben leuchten die schroffen Jebel-Jais-Berge im späten Nachmittagslicht.

Auf einem Plateau hält Ahmed bei einem verlassenen Dorf. Quaderförmige Häuser sind zu sehen, gemauert aus grobem Kalkstein. „Sie sind 150 bis 200 Jahre alt“, sagt er, „einige sind schon zusammengefallen“. Früher hätten hier 50 bis 60 Leute gelebt.

Ahmed ist Mitte dreißig und trägt westliche Kleidung. Er rühmt „His Highness“, Scheich Saqr bin Mohammed Al Qasimi, der jahrzehntelang bis zu seinem Tod 2010 viel für die Modernisierung von Ras Al Khaimah getan habe. „Schauen Sie da unten das neue Al Hamra an“, sagt er. „Die schönen Villen, Hotels, Plätze, den Golfclub und Yachthafen, wir nennen es unsere neue Hauptstadt.“

Ras Al Khaimah ist anders als Dubai und Abu Dhabi. Nur zwei Hochhaustürme gibt es bisher, stattdessen aber die längsten und schönsten Strände der sieben Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Eldorado für Wassersportler, ob Tauchen, Wasserski oder Segeln. Wer sich einen 20-Minuten-Trip mit einem Wasserflugzeug gönnt, sieht von oben viel Grün zwischen den Lagunen, üppige Palmenhaine, Mangrovenwälder, Gemüsegärten und hübsch angelegte Parks. Das Mehr an Grün verdankt Ras Al Khaimah auch seinen Bergen, dem bis zu 2.000 Meter hohen Hajar-Gebirge.

Und noch etwas gibt es nur hier: eine Perlenfarm, die einzige im Mittleren Osten. „Wir haben die Perlenzucht 2004 zu neuem Leben erweckt“, sagt Mohamed Al Suwaidi, der in einem weißen Gewand in den bunten Kissen eines Bootes lehnt. Gemächlich schippert er mit seinen Gästen hinaus zu den Lagunen, wo Austernnetze an Schalen verstreut im Wasser schaukeln. „Früher lebten die Perlentaucher monatelang zusammengepfercht auf kleinen Schiffen und tauchten Hunderte Male am Tag – ohne Ausrüstung“, erzählt er unterwegs. Bis die Verbreitung der billigeren Zuchtperlen aus Japan den Markt für Naturperlen zusammenbrechen ließ.

Heute können Besucher dabei zuschauen, wie lebende Austern Stück für Stück per Hand mit einem winzigen Fremdkörper präpariert werden, bevor sie ins Meer gesetzt werden. Von 40.000 Austern, die jedes Jahr aus den Netzen geholt werden, haben 80 Prozent Perlen gebildet.

Noch geht es in Ras Al Khaimah trotz ehrgeiziger Pläne eher beschaulich zu. „Wir wollen kein zweites Abu Dhabi werden“, sagt Nermin Abushnaf, Direktorin der Tourism Development Authority, „denn dann würden wir unsere Identität verlieren“.


Lottemi Doormann

Touristische Entwicklung
Von 2010 bis 2013 haben sich die Gästezahlen in Ras Al Khaimah auf 1,2 Millionen verdoppelt. Touristen aus deutschsprachigen Ländern standen im vergangenen Jahr an erster Stelle. Zu den bisherigen 16 Vier- und Fünf-Sterne-Hotels sollen 2014 vier neue Hotels mit 1.700 Zimmern hinzukommen, darunter das erste All-inclusive-Hotel der VAE. Damit steigt das Hotelangebot auf 5.000 Zimmer bis Ende 2014.

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