Indien

Indien: Im Delta des Ganges

Die größten Mangrovenwälder der Erde sind die Heimat des Bengalischen Tigers.

Die größten Mangrovenwälder der Erde sind die Heimat des Bengalischen Tigers.

Eine Flussreise durch die Sunderbans ist ein Naturerlebnis

Indiens Nationalvogel, der Kingfisher, fühlen sich hier ebenso wohl...

Indiens Nationalvogel, der Kingfisher, fühlen sich hier ebenso wohl...

... wie Krokodile

... wie Krokodile. Fotos: jm

Flusskreuzfahrt – das klingt manchmal ein wenig nach Altersheimkundschaft und Heizdeckenverkauf. Doch in der Ganges-Mündung, einem der größten Deltas der Welt, gerät das Klischee gehörig in Schieflage.

Die Sunderbans sind nicht nur hierzulande weitgehend unbekanntes Territorium: Auch an Bord des Flusskreuzers Paramhamsa herrscht Expeditionsstimmung: Denn selbst für die Inder sind die Sunderbans ebenfalls Neuland.

Dem Tiger auf den Fersen
Seit 1997 ist dieser mehr als 16.000 Quadratkilometer große Mangrovenwald im Gangesdelta Weltnaturerbe. Das riesige Ökosystem – vermutlich die größten Mangrovenwälder der Erde – gehört zu rund einem Drittel zu Bangladesch, ein Sechstel der Fläche ist auf indischer Seite als Tigerreservat ausgeschrieben. Die meisten Passagiere möchten nicht nur den Dschungel sehen, sie wollen auf Safari gehen und einen der mehr als 250 Bengalischen Tiger in seiner ursprünglichen Heimat erspähen.

„Die Bauersfrauen, die zum Holz und Honig sammeln in den Wald gehen, tragen bis heute Masken mit einem Tigerantlitz am Hinterkopf, um sich vor den Raubkatzen zu schützen. Die greifen grundsätzlich von hinten an, um eine Situation von Angesicht zu Angesicht zu vermeiden“, erklärt Siddhartha Rakshit von Vivada Cruises und Guide an Bord der Paramhamsa. „Sehen Sie dort im Schlamm die rote Krabbe laufen? Sie befindet sich auf dem Rücken eines Krokodils!“ Ein Raunen geht übers Aussichtsdeck: Bei genauerem Hinsehen erkennt man im bräunlichen Wasser tatsächlich die Form eines rund vier Meter langen Reptils.

„Von denen werden wir noch größere Exemplare beobachten“, verspricht Siddhartha, wohl wissend, dass die Chance einen Tiger zu sehen „bei etwa einem Prozent liegt, während die Bauersfrauen praktisch jeden Tag auf einen Tiger treffen“.

Die Vivada-Reederei ist mit mehreren Schiffen in den Sunderbans unterwegs. Angeboten werden Touren zwischen einem Tag und zwei Wochen. Die langen Flussfahrten starten flussaufwärts bereits in der Heiligen Stadt Varanasi. Ansonsten erfolgt die Einschiffung in Kalkutta. Der Tagespreis inklusive Vollpension, alkoholfreier Getränke und aller Exkursionen liegt bei knapp unter 200 Euro pro Person in der Doppelkabine.
Tiere auf Beutefang

Die Fahrt ist gemütlich, beinahe beschaulich. Siddhartha scheint Recht zu behalten, während sich die Paramhamsa ihren Weg durch einen dichten Teppich aus Wasserlilien bahnt. Eisblau gefiederte Kingfisher fliegen auf Nahrungssuche über das Wasser, Fischer werfen ihre Netze aus. Und immer wieder lugen Krokodile aus dem Wasser. Nur der Dschungelkönig macht sich auf dieser Tour rar.

Jochen Müssig

Buchen beim Spezialisten
Bei dem Essener Indien-Spezialisten Comtour sind etwa viertägige Kreuzfahrten buchbar. Informationen zu Reederei und Schiff findet man unter www.vivadacruises.com.

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