Indien

Karnataka: Heiliger Wahnsinn

Neben den Kulturschätzen besticht Karnataka durch die Farbenpracht von Mensch und Natur.

Der Bundesstaat bietet eine grandiose Landschaft und ein reiches Kulturerbe – Highlight ist die Ruinenstadt Hampi

Das wichtigste Heiligtum der „Lost City“ Hampi ist der Virupaksha-Tempel

Mobil: Der Garuda-Schrein als steinerner Tempelwagen vor dem Vitthala-Tempel. Fotos: hb

Bevor die Sonne sich anschickt, den Horizont zu küssen, muss man raus aus dem Auto, rein in die Wanderschuhe, rauf auf den Berg. Eine steile Treppe mit 555 Stufen (im Schweiße unseres Angesichts haben wir sie wirklich gezählt) windet sich wie eine schlängelnde Felsen-python den Hang hinauf. 
Ganz oben, im weiß blitzenden Tempel auf dem Anjeyanadri Hill, soll Hanuman geboren sein, die Hindu-Gottheit mit der Gestalt eines Affen. 
Eine Handvoll Sadhu-Priester, die hier als Asketen zwischen gigantischen Felsen meditieren, murmelt ihre Mantras. Unentwegt lassen sie die Shillum-Pfeife kreisen. Für zartbesaitete Besucher ist das wohl zu starker Tobak. Doch wabernden Qualm braucht es eigentlich gar nicht, um sich high zu fühlen: Auch ohne Cannabis-Rausch wirkt die Landschaft rund um Hampi, diesem magischen Ort mitten in Südindiens Bundesstaat Karnataka, auf Besucher wie ein Traum.

Farbenexplosion am Abend

Man erlebt eine Orgie der Natur: In den letzten Minuten vor Sonnenuntergang explodieren ein paar Wimpernschläge lang die Farben. In der Ebene unterhalb des Affentempels versprechen die monsungrünen Felder eine reiche Reisernte. Kokospalmen säumen die Parzellen, ihre Blätter tanzen im Wind. Aus den Dörfern zieht es die Frauen zum träge strömenden Tungabhadra-Fluss. 
Dort blinken, als seien es bunte Miniaturen, die nach der Wäsche in der Sonne trocknenden Saris. Eingerahmt wird dieses idyllische Panorama von Hügeln aus übereinander gestapelten Granitbrocken, die Hanuman und seine göttlichen Spielkameraden aus der Krabbelgruppe einst beim Murmelspiel zurückgelassen haben müssen. Sie glühen im Abendlicht wie funkelnde Kohlen.

Wie eine Hollywood-Kulisse

Die Wolken an dem sich verdunkelnden Himmel haben den ganzen langen Tag eine recht blasse Vorstellung abgeliefert. Nun zeigen auch sie endlich Emotionen und erröten. Zur spektakulären Kulisse eines packenden Tomb-Raider-Films wird die Landschaft durch die Ruinen eines lange vergessenen Königreiches. 
Hampi ist eine „Lost City“ mit Festungsmauern, Türmen, Schreinen, Bädern für rituelle Waschungen und Stallungen für Elefanten. Vor dem Vitthala-Tempel parkt sogar ein steinerner Wagen, den der Götterbote Garuda nutzen sollte. 
Über Quadratkilometer verteilen sich in Hampi die versteinerten Erinnerungen an eine glorreiche Vergangenheit. Noch vor 500 Jahren war die Ruinenstadt eine der größten Metropolen der Welt. Die legendäre Kapitale von Vijayanagar, dem letzten großen Hindu-Reich in Südindien, hatte viele Hunderttausend Einwohner. Dann wurde Hampi geschleift und geplündert, vom Dschungel überwuchert, und geriet in Vergessenheit. Hindu-Pilger kommen in Scharen, die Tempel zählen zum Unesco-Welterbe. 
Doch außerhalb des Landes ist Hampi kaum bekannt. Geoplan organisiert beispielsweise Touren, mit SKR erkundet man die Ruinen in der Gruppe. In deren Umgebung gibt es nämlich noch mehr zu sehen. 


Helge Bendl
 

Das ist Karnataka
Karnataka, gelegen zwischen Goa, Kerala und Tamil Nadu, wirkt wie Indiens gut verpacktes Überraschungs-Ei: Nach dem Öffnen ist man verblüfft, was sich dort alles findet. Zum Beispiel die boomende Millionenstadt Bangalore. Aber auch das „Schottland Indiens“, also das grüne Hochland von Coorg, wo der Tee wächst und der Kaffee blüht. Gleich um die Ecke liegt der Nagarhole-Nationalpark: Mit viel Glück kann man hier Tiger sehen, garantiert aber Arbeits‧elefanten. Und das magische Mysore ist eine Stadt wie aus dem Märchen, wo an manchen Abenden viele Tausend Glüh‧birnen die Maharadscha-Residenz Amba Vilas erleuchten. 

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