Bhutan

Königreich in den Wolken

Das Taktshang-Kloster im Parotal ist das bekannteste Gebäude des Königreichs. Foto: ws

Bhutan lockt mit jahrhundertealten Klöstern vor atemraubender Bergkulisse und einer einzigartigen Tierwelt

Der Katzenbär gehört zu den bedrohten Tierarten. Foto: Susan A. Mainka / WWF

Der Pilgerpfad zum Lungchu-Tsey-Kloster führt durch einen stillen Zauberwald. Im Frühling blühen die baumhohen Rhododendren, die sich dicht am Wegrand drängen, in sattem Violett. Jetzt im Winter recken sich ihre knorrigen Äste wie Geisterarme in den Nebel. Müde flattern nun die von Raureif überzogenen Gebetsfähnchen am Wegrand. Oben in den Wolken thront das kleine Kloster auf dem Bergrücken wie für einen Märchenfilm errichtet.

Wenn es nicht in Nebel gehüllt ist, blickt man von hier aus auf die ewig weißen Gipfel der Siebentausender an der Grenze zu Tibet mit dem 7.570 Meter hohen Gangkhar Puensum, dem höchsten unbestiegenen Berg der Welt.

„So sieht es an klaren Tagen aus“, sagt ein Mönch und zeigt ein Panoramafoto auf seinem neuen Smartphone. Der 39-jährige Gyeltshen hat gerade seine Meditation abgeschlossen.
In Druk Yul, dem Land des Donnerdrachens, so der Staatsname Bhutans in der Landessprache, steht die Zeit nicht still.

Das geheimnisvolle Königreich im Himalaya ist jedoch bis heute eine abgeschiedene Welt geblieben, die durch den Buddhismus geprägt ist. Erst seit wenigen Jahrzehnten öffnet sich das Land vorsichtig westlichen Einflüssen, technischen Neuheiten und dem Tourismus.

Gyeltshen wurde im Alter von neun Jahren auf eine Klosterschule geschickt. Sechs Jahre lang war er auch im berühmten Taktshang-Kloster. Die als Tigernest bekannte Anlage liegt auf einem Felsvorsprung über dem Paro-Tal. Heute ist sie eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Bhutans.

In seiner Verfassung hat Bhutan festgelegt, für alle Zeiten 60 Prozent seiner Fläche als Wälder zu bewahren. „Dennoch gibt es noch immer viel zu tun“, sagt Vijay Moktan vom WWF Bhutan.
„Natürlich kämpfen auch wir mit dem Klimawandel, und Wilderei ist vor allem in den Grenzregionen weiter ein großes Thema.“

Aufgrund seiner geografischen Vielfalt ist Bhutan ein Rückzugsort für eine ganze Reihe bedrohter Tierarten, so für Katzenbären, Schneeleoparden, Königstiger und Elefanten. Im Phobjikha-Tal wird jedoch ein Vogel mehr verehrt, als die Schwergewichte im Tierreich. Der seltene Schwarzhalskranich gilt als Himmelsbote und soll Glück bringen. Hier in Zentralbhutan, jenseits der schroffen Gipfel im Norden, wirkt die Landschaft fast traumhaft entrückt und so lieblich. Leise murmelnde Gebirgsbäche plätschern weit ausgestreckten Bergwiesen entgegen und treiben die Räder von so mancher Gebetsmühle an. „Wenn die Kraniche im Herbst aus Tibet zurückkehren, drehen sie dreimal am Himmel ihre Kreise“ sagt Rinzin.

Der Mönch im dunkelroten Gewand vertritt sich vor dem altehrwürdigen Gangteng-Kloster die Beine. Aus dem Innenhof tönt Hundegebell und Kinderrufen. Rinzin unterrichtet an einer der wichtigsten Klosterschulen des Landes. „Wir feiern die Ankunft der Kraniche mit einem Festival“, erzählt der Lehrer, „die Vögel genießen hier ein besonderes Ansehen, aber uns ist es wichtig, die Klosterschüler zu lehren, dass alle Tiere unseren Schutz bedürfen.“

 

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Win Schumacher

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