Nepal

Homestay in Nepal

Alles frisch geerntet: Biomarkt auf Nepalesisch

Alles frisch geerntet: Biomarkt auf Nepalesisch. Fotos: lg

Es schmeckt: Touristen nach dem Kochkurs, rechts Autor Leonard Gürtler

Es schmeckt: Touristen nach dem Kochkurs, rechts Autor Leonard Gürtler

Kumari (rechts) mit ihrer Mutter in Panauti

Kumari (rechts) mit ihrer Mutter in Panauti

Die Ansage ist klar: „Jetzt dreh die Teigtasche einfach zu. Schau mal – so klappt es!“ Kumari – die uns heute zu einer Kochstunde in ihrer eigenen Küche eingeladen hat, verschließt geschickt die Yomari’s. Die traditionellen Reisteigtaschen sind eine Spezialität der nepalesischen Ethnie der Newaris. Und sie schmecken wunderbar.

Wir befinden uns in dem kleinen nepalesischen Ort Panauti unweit von Kathmandu. Als kleines Mädchen kam Kumari mit ihrer Mutter und vier Geschwistern hierher, der Vater blieb im Heimatdorf. Die Mutter eröffnete ein Restaurant und verdiente damit Geld, um den Kindern Schulbildung zu finanzieren.

Idee kam von einem Reiseleiter
Heute ist Kumari Mitte 30. Das Restaurant ihrer Mutter musste sie vor zwei Jahren verkaufen, als bei ihrer 16-jährigen Tochter Krebs diagnostiziert wurde. Das Mädchen starb nach schwerer Krankheit, Kumari hatte alles verloren: ihr Kind, ihren Job und ihr gespartes Geld.

Einen beruflichen Neuanfang fand sie in der Panauti Homestay Community. Das Projekt startete 2012 und soll Frauen ermöglichen, mehr Verantwortung in der Gemeinschaft zu übernehmen. Möglich wird dies durch den Tourismus – und den kanadischen Veranstalter G Adventures. Die Zusammenarbeit entstand durch den Kontakt eines einheimischen Reiseleiters, der eine gute Möglichkeit sah, mehr Tourismus in das Dorf zu bringen.

Kumari lernte Englisch und begann, ihre langjährigen Kocherfahrungen nicht nur an andere Frauen, sondern auch an Touristen weiterzugeben. „G Adventures hat mich gerettet“, sagt sie und schaut mit einem Lächeln eine von mir gewickelte Teigtasche an: „Na, das wird ja langsam, junger Mann!“

Projekt mit Initialzündung
Das Engagement des Veranstalters und dessen Stiftung Planeterra zahlt sich nicht nur für Kumari aus: Panauti wurde auch zum festen Bestandteil vieler Nepal-Reisen von G Adventures. Dies sorgte nun dafür, dass immer mehr Frauen im Dorf ihre Chance erkannten und den Mut aufbrachten, Besucher aufzunehmen und ihnen die lokale Kultur näherzubringen.

Der Ort eignet sich perfekt: Neben dem Homestay Experience verfügt Panauti über eine sehr alte Kultur und wunderschöne Tempel. Zudem liegt der Ort in einer traumhaften Landschaft und eignet sich ideal zum Wandern, Entspannen und Entdecken. Bei gutem Wetter sind in der Ferne die Berge des Himalaya zu sehen.

Inzwischen wirkt das Vorbild Panauti in der gesamten Region. In immer mehr Dörfern Nepals entstehen kleine Gästehäuser, die von Frauen geleitet werden. Und viele von ihnen schaffen es, sich auf diesem Weg zu emanzipieren und ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, berichtet Bruce Poon Tip, Gründer und Chef von G Adventures.

Für ihn gehörte es von Anfang an zur Philosophie des Veranstalters, Reisende und Einheimische zusammenzubringen und die Menschen vor Ort vom Tourismus ‧profitieren zu lassen. In Nepal ist es ihm besonders gut gelungen. Zu erleben sind einige der Projekte während der Rundreise „Nepal Local Living“.
 

G Adventures in Indien
Auch in Indien stehen Frauen bei diversen ‧Projekten der Planeterra-Stiftung von G Adventures im Mittelpunkt. Einige Projekte sind Teil der Rundreise „Goldenes Dreieck“, einige können auch unabhängig davon in Delhi erlebt werden.
Bei „Women on Wheels“ zum Beispiel sorgen Inderinnen dafür, dass weibliche Gäste von G Adventures sicher vom Flughafen zum Hotel kommen. Es ist Indiens erste Flotte weiblicher Taxifahrer.
Zudem gibt es Stadtrundfahrten mit dem Salaam Balak Trust. Die Stiftung bietet über 5.000 Straßenkindern eine sichere Unterkunft, Beratung und Bildung.
 Ein weiteres Projekt des G Values Fund ist das Restaurant „Kitchen With a Cause“ in Delhi. Auch hier geht es darum, benachteiligten Frauen die Möglichkeit zu geben, mit Hilfe des Tourismus ein nachhaltiges Einkommen zu erzielen. Informationen unter planeterra.org.

Von Leonard Gürtler

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