Australien

Whitsundays unter Segeln

Ruhig schippert die Solway Lass durch die Whitsundays.

Ruhig schippert die Solway Lass durch die Whitsundays.

Australien: An Bord der Schonerbrigg Solway Lass in Queensland

Die Bauer Bay vom Aussichtspunkt Spion Kop.

Die Bauer Bay vom Aussichtspunkt Spion Kop. Fotos: cb

Nach Cairns und Port Douglas sind die Inseln und das Festland der Whitsundays das dritte Sprungbrett zum Weltnaturerbe Great Barrier Reef. Besondere Attraktion, allerdings nur aus der Luft richtig zu sehen, ist das Herzriff. Mit dem Whitehaven-Beach verfügen die Whitsundays über einen der Top-Zehn-Strände weltweit. Am besten lassen sich die 74 Inseln im Korallenmeer an Bord der über 100 Jahre alten Solway Lass erkunden. Die Schonerbrigg befuhr einst Nord- und Ostsee als Adolf unter deutscher Flagge.

Vor dem Festland-Ferienort Airlie Beach hat die Solway Lass festgemacht. Sie ist 1902 als Frachtsegler in Holland vom Stapel gelaufen und wurde 1905 nach Deutschland verkauft. Von Großbritannien 1914 als Kriegsbeute beschlagnahmt, überstand die Schonerbrigg den Ersten Weltkrieg als U-Boot-Köder und pendelte später als Handelsschiff zwischen Schottland und Liverpool.

Früherer Truppenversorger
Ihren heutigen Namen erhielt sie 1924 beim Erwerb durch ein schottisches Unternehmen. Im Zweiten Weltkrieg nutzte das Dritte Reich den Segler als Truppenversorger. Ab 1949 war die Schonerbrigg als Sundeved in Dänemark unterwegs, ab 1970 als Frachtschiff im Südpazifik. Nach einer Restaurierung segelt sie seit 1999 durch die Whitsundays.

Wer unter Deck Kreuzfahrtschiff-Komfort erwartet, wird enttäuscht: Bullaugen fehlen den Kajüten, von denen eine sogar sechs Kojen zählt. Platz für Gepäck ist knapp. Mehr Frischluft gibt es an Deck, wo auch die Büfett-Mahlzeiten serviert werden. Maximal 30 Passagiere fasst das 28 Meter lange Schiff. Ähnlich hoch sind die Masten. Es macht Spaß, beim Segelsetzen zuzusehen, wo Karabinerhaken die Crew in den Wanten sichern.

Gäste entscheiden an Bord über die Route
Für Gäste bleibt der Einsatz tabu. Unter Aufsicht von Bootsmann Kenny dürfen sie aber beim Segelhissen helfen. Sind alle gesetzt, gleitet der Zweimaster durch die Wellen, die Passagiere nachts sanft in den Schlaf wiegen. Für Flauten ist ein Dieselmotor an Bord. Wind, Wellen und Gästewünsche entscheiden über das Programm der zu sechs Tagen kombinierbaren Drei-Tage-Törns auf dem Schiff. Kapitänsträume werden wahr, wenn Passagiere die Solway Lass steuern dürfen.

Vor South Molle ankert die Schonerbrigg. Nach Zyklonschäden ist das Resorthotel dort nicht wieder richtig in Betrieb. Der Neun-Loch-Golfplatz wird indes weiter gepflegt. Gleich dahinter beginnt der Molle Islands National Park. Gäste wandern den Ngaro Sea Trail mit spektakulären Aussichten hinauf. Der Name geht auf einen ausgestorbenen Aborigine-Stamm zurück. Neuguinea-Araukarien krallen sich in von langen Gräsern bewachsene Hänge.

Nicht nur North Molle, auch die Inseln Cid, Daydream, Long, Plantation und Whitsunday Islands sind zu sehen. Das Daydream Island Resort auf der Nachbarinsel unterhält einen Streichelzoo mit 140 Fisch- und 83 Korallenarten. Durch einen Urwald führt der Ngaro Sea Trail hoch zum Aussichtspunkt „Spion Kop“, unter dem die Solway Lass in der Bauer Bay liegt. Auf dem Rückweg träumen einige vom Durchsegeln der Whitsunday-Passage vorne im Netz der Schonerbrigg mit Kurs Airlie Beach, wo ein Gelbhauben-Kakadu auf dem Hotelbalkon wartet.
Christian Boergen

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