Australien

Nordaustralien: Landgang ab Darvin

Beeindruckend: Drei bis vier Meter hohe Termitenhügel im Nationalpark Litchfield. Foto: heu

Der Litchfield-Nationalpark lockt mit faszinierenden Wander- und Bademöglichkeiten

Schier endlose Überschwemmungsgebiete, flache Sümpfe und Savannen, eine Landschaft, die an das Okavangodelta und die Everglades erinnert. Der tropische Norden Australiens ist weit, feucht und flach. „Ich brauche diesen weiten Blick. Als ich einmal in Tasmanien war, wo alles eng und hüglig ist, da bekam ich schnell Klaustrophobie“, sagt Neville Beeby, ein Australier, der meist nur Nifty genannt wird.
Er arbeitet als Tourveranstalter und Guide im Northern Territory und fährt mit uns zum Litchfield-Nationalpark, dem populärsten Naturpark im aus‧tralischen Top End. Im Kontrast zur weiten, offenen Landschaft während der Anfahrt wirkt das Schutzgebiet grün, hügelig und kleinteilig.
Nach der Einfahrt in den Nationalpark fahren wir auf einer mit Gras bewachsenen Piste. Rechts und links des Weges ragen große braune Blöcke gen Himmel. Aufgestellt fast wie Soldaten, sind sie alle in die gleiche Richtung ausgerichtet. „Man kann diese Termitenhügel sogar als Kompass nutzen“, berichtet Nifty. Die Nord-Süd-Ausrichtung der Termiten-Kathedralen dient in erster Linie der Temperaturregulation. „Sie wollen möglichst exakt 32 Grad Celsius“, erläutert Nifty.

Drei bis vier Meter hohe Termitenhügel, das ist längst nicht alles, was der Litchfield-Nationalpark zu bieten hat. Der Park, den Kreuzfahrtgäste von Darwin aus häufig im Rahmen von Tagestouren besuchen, ist einer der wenigen im Norden Australiens, in denen man annähernd gefahrlos schwimmen kann. „In den Süßwasserbecken hier wird jedes Frühjahr ein Krokodil-Check ausgeführt, zu diesem Zweck wird unter anderem Futter ausgelegt und es werden Gegenstände für einen Bisstest ausgelegt“, berichtet Nifty. Erst wenn sichergestellt ist, dass sich kein Krokodil im Wasser und in dessen Umgebung befindet, wird das Baden freigegeben.
An diesem Tag zeigt uns Nifty mehrere Stellen, an denen wir gefahrlos schwimmen können – ein Becken unterhalb des Wangi Falls, ein kaum besuchtes oberhalb des Tjaetaba-Wasserfalls und Badestellen in der Umgebung der Florence Falls.

Auf dem Weg zum Tjaetaba-Wasserfall erhalten wir eine botanische Nachhilfestunde. Nifty zeigt uns Sandpalmen, deren essbaren Früchte aussehen wie kleine Trauben, er weist uns auf eine Pflanze hin, die gegen Diarrhoe helfen soll und entdeckt am Wegesrand die Kurkumapflanze.
Deren Wurzeln enthalten ein männliches Hormon, deshalb wurden sie von den Aborigines-Frauen früher zur Empfängnisverhütung genutzt. Nifty ist sich sicher, dass die Aborigines-Kultur vor allem deshalb so viele Jahrtausende überlebt hat, weil die Ureinwohner im Einklang mit der Natur gelebt haben.
Viele der Orte, die wir mit Nifty besuchen, waren heilige Plätze der Aborigines, eine eindeutige Geschichte dazu kennt er jedoch nicht. „Hier im Litchfield-Park lebten Aborigines aus vielen Sprachgruppen, etliche davon sind um 1870 vertrieben worden. Deshalb wissen wir heute nicht mehr genau, was wem gehört hat und welche der Stätten für welche Gruppen wichtig waren.“
Wie dem auch sei, wir haben ein kleines Becken oberhalb des Tjaetaba-Wasserfalls fast ganz für uns allein.

Rainer Heubeck
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