Neuseeland

Im siebten Himmel

Der Mount Ruapehu aus der Vogelperspektive (Nordinsel)

Der Mount Ruapehu aus der Vogelperspektive (Nordinsel). Foto: hb

Die unterschiedlichen Landschaften lassen sich auch aus der Luft erleben

Hügel, Wälder und Seen breiten sich in Pastelltönen aus. Am Horizont blitzen die Gipfel schneebedeckter Berge. Das an Klippen leckende Meer ist inmitten von tropisch wirkenden Inseln türkis eingefärbt. Fast zu schön für diese Welt wäre diese Landschaft, gäbe es keinen krassen Kontrast.

Und so wachsen andernorts Vulkaninseln mit Schwefelquellen aus dem Ozean, erheben sich unwirtliche Lava-Türme in die Höhe, spucken giftig schillernde Tümpel heißen Schlamm. Wie in der Tolkien-Saga vom „Herrn der Ringe“, die hier verfilmt wurde, liegen auch in der Realität Paradies und Hölle nicht weit auseinander.

Spektakulärste Blicke aus der Luft

„Neuseeland hat spektakuläre Landschaften. Doch für die spektakulärsten Blicke darf man nicht im Auto sitzen bleiben. Man muss in die Luft gehen“, sagt David Knudsen. Hobby-Piloten, aber auch Gäste, die nur geflogen werden wollen, können mit dem Fluglehrer vom Canterbury Aero Club Neuseeland bei einer Flugsafari aus der Luft genießen. Eine Lieblingsroute hat der Pilot nicht oder will sie nicht preisgeben, doch der Favorit der Gäste ist klar: Am populärsten sind Touren über der Südinsel.

Zum Abschied von der Hafenstadt Nelson gibt es einen Schlenker über die glatte Tasman Bay, dann steuert die Maschine nach Südwesten über die Hügel des Kahurangi-Nationalparks. Das dichte Grün von Buchenwäldern liegt unter uns. Später folgen Graslandschaften und karge Hochmoore, in denen bisweilen rote und blaue Pünktchen aufblitzen: Wanderer in Signalkleidung auf dem Heaphy Track. Für die 78 Kilometer lange Strecke marschieren die meisten fünf Tage, bis sie an der Küste ankommen. Der Flieger schafft ein paar Hundert am Tag.

Am nächsten Morgen hängen nur ein paar Nebelschwaden in den Nadelwäldern an der Küste, hinter denen die Neuseeländischen Alpen aufragen. Rechts unterm Flugzeug rollen die Wellen des Ozeans heran, links ziehen schneebedeckte Berge vorbei, weiß glitzernd ihre Gletscher. Dann kommt, was Rudyard Kipling als achtes Weltwunder bestaunte: Fjordland, jene wilde Gegend, in der Regenwald steile Gebirgshänge bedeckt und einsame Fjorde auf Entdecker warten.

Touristenmagnet Milford Sound

Der bekannteste dieser gewundenen Höllenschlunde ist der Milford Sound: 15 Kilometer lang ist der Fjord mit dem schwarzblauen Wasser, wird eingerahmt von 1.200 Meter hohen Felswänden, die rechts und links der Maschine aufragen, scheinbar zum Greifen nah. Beste (Aus)Sicht gibt’s auch später: Lake Wakatipu, Lake Wanaka, Lake Ohau, Lake Pukaki – See an See zieht vorüber, gespeist von gischtenden Wasserfällen, gefüllt mit türkisblauem Wasser.

Dann werden die Berge noch höher, setzen sich Mützen aus Schnee und Eis auf, einer ganz besonders: Mount Cook, 3.754 Meter hoch, den die Maori unter dem Namen Aorangi kannten, lange bevor die ersten Europäer ins Land kamen. Der „Durchbohrer der Wolken“ ist Neuseelands schönster Berg.

Pilot Knudsen lenkt die Maschine in eine sanfte Linkskurve, dreht eine Runde um den in der Sonne funkelnden Gipfel. Und fliegt seine Gäste spätestens damit direkt in den siebten Himmel.

Von Helge Bendl

Info: Flugsafaris

Mehrtägige Flugsafaris mit einem „Pilot in Command“, der Passagiere auch selbst fliegen lässt, sind bei Art of Travel buchbar. Ausflüge mit Kleinflugzeugen und Hubschraubern gibt es an vielen Sehenswürdigkeiten Neuseelands. Auf der Nordinsel geht es zum Vulkan White Island in der Bay of Plenty. Auf der Südinsel kann man Pottwale bei Kaikoura beobachten oder die Weinberge von Otago. Spektakulär sind die Landungen am Mount Cook und dem Franz-Josef-Gletscher. Die Fjorde sieht man bei einem Flug durch den Milford Sound.

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