Großbritannien

Großbritannien: England blüht in Cornwall

Heligans Riesenhaupt von Sue und Pete Hill mit Haaren aus Montbretien. Foto: cb

Heligans Riesenhaupt von Sue und Pete Hill mit Haaren aus Montbretien. Foto: cb

Vom viktorianischen zum Hippie-Garten und in den Dschungel

Nicht bloß als Schauplatz von Rosamunde-Pilcher-Filmen ist Cornwall eine Reise wert: Begünstigt vom milden Golfstrom-Klima blüht es fast überall. Rund 60 Gärten und Parks lassen keine Langeweile aufkommen. Cornwall bietet hinreichend Stoff für mehr als eine Gartenreise. Hier einige Tipps:

Der Pinsla Garden bei Bodmin
Mit ihrem „Hippie-Garten“ haben sich Claire und Mark Woodbine einen Traum erfüllt. Von Februar bis Oktober steht er Besuchern offen. Sie erwarten dort nicht nur selbstgebackene Kuchen und unkonventionelle Kunstobjekte aus recycelten Materialien inmitten eines wilden Waldes. Vom Steinkreis neben dem eingewachsenen Wohnhaus geht es durch einen Tunnel aus schwarzstämmigem Bambus. Mit etwas Glück blüht gerade das auch Riesenrhabarber genannte Mammutblatt Gunnera manicata. Überall wachsen Stauden und zum Teil exotische Blumen. Nicht alles, was die Woodbines in ihrer Gärtnerei verkaufen – etwa die dunkelblättrigen Aeonien – übersteht den deutschen Winter. Dennoch ist das Angebot, ergänzt um mystische Figuren und Wandtafeln, verführerisch.

Lanhydrock in Bodmin
Das viktorianische Herrenhaus von Lanhydrock gehörte lange der Adelsfamilie Robartes und wird seit 1953 von der Denkmalschutz-Organisation National Trust verwaltet. Unter der faszinierenden Dachlandschaft können 50 Räume in Originalausstattung samt gigantischen Küchen besichtigt werden. Zu Lanhydrock gehören 367 Hektar Park, Wald und Äcker sowie elf Hektar von Englands schönsten Gärten. Besonders lohnt sich der Besuch, wenn die riesigen Rhododendren und Himalaya-Magnolien blühen. Im Staudengarten dominieren Weiß und Blau. Auch der Küchengarten mit reetgedecktem Häuschen, Beeren, Mangold, Obstbäumen, Rhabarber und Spargel ist sehenswert.

Das Eden-Projekt bei St. Austell
Das Eden-Projekt bei St. AustellDie weltgrößten Gewächshäuser in der ehemaligen Kaolingrube dienten schon als Drehort für den James- Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“. Mit über 750.000 Besuchern jährlich ist das 2001 eröffnete Eden Project Cornwalls Top-Touristenattraktion. Unter den charakteristischen geodätischen Kuppeln werden alle Vegetationszonen simuliert. Das Projekt des Archäologen Tim Smit dient der Arterhaltung und Bildungszwecken. In seinem „Eden“ wachsen 5.000 Pflanzensorten. Das „Regenwald-Biom“ führt durch die tropischen Dschungel Malaysias, Westafrikas und Südamerikas, das „Mittelmeer-Biom“ aus der gleichnamigen Region über den Äquator nach Südafrika und Kalifornien. Auch ein Freiluftgarten ist Teil des Projekts.

Die Verlorenen Gärten von Heligan
Heligans Gärten waren verwildert, bis Tim Smit sie entdeckte. Im Zweiten Weltkrieg trainierten US-Offiziere auf dem Anwesen die Landung in der Normandie. Nach Kriegsende wucherten die Gärten zu. Heute sind die 16 gigantischen Hooker-Rhododendren wieder sichtbar, die einst der Obergärtner von Kew Gardens aus dem Himalaya mitgebracht hatte. Heligan ist ein gelungenes Beispiel erfolgreich restaurierter historischer Gärten. Eine Viertelmillion Besucher pro Jahr beschäftigen 65 Gärtner und andere Angestellte. Das Restaurant serviert organisch gezogenes Gemüse und Kartoffelsorten von vor 1910. Höhepunkt ist der Dschungel mit Europas größter Farnbaumsammlung. Spektakulär wirkt auch das Riesenhaupt der Künstler-Geschwister Sue und Pete Hill mit Haaren aus Montbretien.

Christian Boergen

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