Rumänien

Zwischen Pomp und Chaos

Ein Besichtigungsmuss in Bukarest: der Palast der Republik. Foto: aze

Rumäniens Hauptstadt Bukarest hat viele Gesichter

Rumäniens Metropole Bukarest boomt. Von welcher Seite und mit welchem Verkehrsmittel man das Zentrum der Zwei-Millionen-Stadt auch ansteuert – die unglaubliche Zahl an Privatautos, Taxis und Bussen hat längst die Kapazität der Straßen gesprengt, und Stop-and-go gibt das Tempo an. Wer nicht selbst am Lenkrad sitzt, hat Zeit, das Gemisch an Baustilen in aller Ruhe zu betrachten.

Zum Beispiel das Rumänische Athenäum, das klassizistische Konzerthaus ganz im griechischen Stil mit Säulen und friesgeschmückter Kuppel. Schön restauriert präsentieren sich auch die barocke Bibliothek, die russisch-orthodoxe Kirche mit ihren Zwiebeltürmen und das Rathaus im Wiener Zuckerbäckerstil. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sogar ein Triumphbogen errichtet. Irgendwann erreicht der Bus auch die Patriarchie, Sitz des rumänischen Patriarchen und Pflichtprogramm jeder Stadtrundfahrt. Und inmitten des frommen Treibens, den anrührenden Fresken und wundersamen Reliquien scheint die chaotische Stadt ganz fern.

Und dann: Unübersehbar die Monumentalbauten der Ceauescu-Ära, allen voran das Wahnsinnsgebäude des Parlamentspalastes. Er liegt auf einem Hügel am Ende der Prachtstraße Bulevardul Unirii. Der Palast – nach dem Pentagon angeblich zweitgrößtes Gebäude der Welt – verfügt über Tausende von Räumen mit 265.000 Quadratmetern Fläche.

Für die protzigen Boulevards wurden ganze Häuserblocks abgerissen und 40.000 Menschen umgesiedelt. Viele Straßenzüge der Altstadt fielen den Abbruchbaggern zum Opfer, um Platz für ein neues Zentrum im Stil des Sozialismus zu schaffen. Nur an viele der zahllosen Kirchen traute sich der abergläubische Atheist Ceauescu nicht heran, sondern ließ sie hinter mächtigen Hochhäusern und Glaspalästen verstecken.

Wo die Altstadt nicht abgerissen wurde, begann nach der Revolution 1989 langsam die Sanierung und Modernisierung. Hier zieht sich ein verwinkeltes Gassennetz durch den Stadtkern, in dem zwar noch Grau den Ton angibt, aber auch Boutiquen, Kneipen und Galerien entstanden sind. Vor allem abends flaniert gestyltes Jungvolk durch die zum In-Quartier mutierende Altstadt mit viel Nachtleben.

Woran es in Bukarest aber noch mangelt, ist ganz offenkundig ein leistungsfähiges Telefon- und Internet-Netz. Ein unübersehbares Gewirr an Kabeln, Strom- und Kommunikationsleitungen zieht sich an den Straßen entlang, und vielerorts hängen Techniker auf den Kabelmasten und versuchen, Strippen zu reparieren.

Trotz des Chaos – Bukarest ist auch eine grüne Stadt. Zahlreiche Parks und Anlagen reichen an den Stadtkern heran. Touristischer Anziehungspunkt ist dabei der Herastrau-Park mit dem rumänischen Dorfmuseum, eine grüne Oase mit See und Bächen.
Monika Zeller

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