Slowakei

Von Höhlen und Holzkirchen

Die Zipser Burg und die Eishöhle Dobsina gehören zu den Unesco-Stätten in der Slowakei. Fotos: Slowakische Zentrale für Tourismus

Unesco-Kleinode in der Slowakei

Hauptanziehungspunkt für Besucher ist natürlich die slowakische Hauptstadt Bratislava. Doch daneben interessieren sich Besucher aus Deutschland vor allem für die natur- und kulturhistorischen Stätten, die in der Liste der Unesco-Denkmäler eingetragen sind. Das erfordert meist mehrtägige Reisen, weshalb deutsche Gäste vor Russland und der Ukraine mit 3,9 Tagen (2009) an erster Stelle der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer stehen. Bei den Übernachtungen (527.800) belegen sie Platz 2, bei den Besucherzahlen (134.000) den dritten Platz.

200 Meter über dem Tal der Spis erhebt sich auf einem Kalksteinfelsen die weithin sichtbare Burg Spissky Hrad (Zipser Burg). Die über tausendjährige Anlage, die im Lauf der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut wurde, ist heute teilweise Ruine. Sie gilt als eine der größten mittelalterlichen Burganlagen Mitteleuropas und wurde zusammen mit dem darunter liegenden Städtchen Spisske Podhradie und der Heilig-Geist-Kirche in Zehra 1993 in die Unesco-Kulturerbeliste eingetragen.

Auf sie hat es auch das kleine Dorf Vlkolinecgeschafft, dessen schlichte Holzgebäude viele Jahrhunderte überstanden haben. Besonders eindrucksvoll ist der zweistöckige Glockenturm. In den Sommermonaten steigt die Zahl der 35 Einwohner wegen vieler Besucher und Veranstaltungen um ein Vielfaches.

Eher städtisch zeigt sich dagegen das einstige Handelszentrum Bardejov ganz im Nordosten der Slowakei, wo sich um den langgezogenen Rathausplatz ein mittelalterliches Bürgerhaus an das andere schmiegt. Auch mehrere bedeutende Kirchen, darunter die Ägidiuskirche mit elf spätgotischen Flügelaltären mit Tafelgemälden aus dem 15. Jahrhundert, sind ziemlich einmalig in Europa.

Als "Goldenes Juwel" des mittelalterlichen Bergbaus gilt Banska Stiavnica im Süden des Landes, wo einst Gold und Silber gewonnen wurden. Neben dem noch immer schmucken Stadtbild fasziniert vor allem das Bergbaumuseum, in dem Maschinen und Gerätschaften von der schon im 18. Jahrhundert hochentwickelten Technik zeugen. Außerdem können ein historischer Stollen sowie das ausgeklügelte System von Wasserbehältern und anderen technischen Anlagen besichtigt werden. Sehenswert sind zudem das Alte und das Neue Schloss mit wertvollen Einrichtungen.

Zum Weltkulturerbe gehören auch die in mehreren Landesteilen erhaltenen Holzkirchen, meist aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Neun davon stehen auf der Unesco-Liste. Und als Reverenz an historische Bräuche würdigt die Weltorganisation auch die Schalmei. Der wehmütige Klang dieses Musikinstrumentes begleitete die Menschen bei fröhlichen Festen ebenso wie bei traurigen Anlässen.

Einen herausragenden Schatz der Natur bilden die 700 Höhlen im Karst an der Südgrenze zu Ungarn, die einen ungewöhnlichen Reichtum an Tropfsteinformationen, Sinterbildungen und Färbungen aufweisen und zum Unesco -Weltnaturerbe zählen. Ein Teil der Höhlen ist für Besucher zugänglich, darunter die Jasovska jaskyna (Jossauer Höhle) mit zahllosen pagodenförmigen Stalagmiten, Säulen, Schildern, Trommeln, Röhrchen und anderen Sintergebilden. Sie gilt als eine der wichtigsten Überwinterungsstätten von rund 20 Fledermausarten.

Zu den bekanntesten und größten Eishöhlen der Welt gehört die Dobsinska Ladova Jaskyna (Dobschauer Eishöhle) mit Eissäulen, Wasserfällen und Seen. Und auch die uralten Buchenwälder der Karpaten an der Grenze zur Ukraine, Heimat vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten, wurden als Weltnaturerbe geadelt.

Monika Zeller

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