Lettland

Gastfreundschaft am Ende von Nirgendwo

Sorgfältig restauriert: der Landgutshof Kuksu muiza im lettischen Kurland.

Ein Deutscher ist Patron im Landgut Kuksu muiza

Der Deutsche Daniel Jahn ist der Patron in seinem denkmalgeschützen Hof. Fotos: sw

Fast am Ende von Nirgendwo betreibt Daniel Jahn den historischen Landgutshof Kuksu muiza. Umgeben von ursprünglicher Natur und in Einheit mit ihr. So beschreibt der Hotelier im Hausprospekt seine Lage mitten im Herzen von Kurland nahe der Kleinstadt Turkum novads. Es ist das Anwesen der deutsch-baltischen Adelsfamilie von Bötticher. Genauer: Der Teil des ehemals 2.500 Hektar umfassenden Landwirtschafts- und Molkereibetriebes, der nach 1919 im Familienbesitz blieb. Denn mit der Unabhängigkeit schaffte Lettland die Feudalherrschaft des Adels ab.

Dass er einmal engagiert lettisches Kulturgut bewahren würde, war dem jungen Mann aus der Westpfalz nicht bewusst, als er 1990 nach Riga kam. Bremer Kaufleute hatten ihn beauftragt, für ihr deutsch-lettisches Joint Venture das erste Fünf-Sterne-Hotel nach westlichem Vorbild in der Hauptstadt zu eröffnen. Der gelernte Koch und Kellner mit BWL-Studium lernte Lettisch und schuf mit dem Hotel de Rome ein Haus, das sich dem Kultursponsoring verschrieb. Im engen Kontakte mit der Rigenser Oper veranstaltete er Aufführungen, Konzerte und Ausstellungen und förderte junge Künstler. Für sein Engagement bekam er den lettischen Staatsorden. Jahn gründete den Rotary Club und avancierte zum Vizepräsident der Handelskammer.

Als er sich 16 Jahre später gut 80 Kilometer von Riga entfernt als Patron, wie er sich selbst stilecht bezeichnet, in der Ruhe und Abgeschiedenheit von Kuksu muiza niederließ, war das "Liebe auf den ersten Blick". Das Gut wurde 1720 erbaut und später mehrfach umgebaut. Für dessen sechs Jahre dauernde Instandsetzung zum Kulturdenkmal ehrte seine Wahlheimat ihn zum zweiten Mal mit einem Preis. In den meisten Zimmern gibt es Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert, die die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende widerspiegeln. Allein ihre Restauration dauerte drei Jahre.

Bei Daniel Jahn sehen und erleben Gäste, wie der für seine großzügige immerwährende Gastfreundschaft berühmte Landadel seinerzeit gelebt hat. Mit Passion lässt der Hausherr die sprichwörtlich baltische Gastlichkeit lebendig werden. Beim Kochen einer saisonal klassischen Küche mit Produkten aus eigenem Anbau können ihm Gäste über die Schulter gucken.

Seine umfangreichen Sammlungen schmücken Haus und Hof. Allein 450 Gemälde lettischer Altmeister hat Jahn im Laufe der Jahre gekauft und zusammengetragen. Im Mai wird auch die Restauration des Milchhauses abgeschlossen sein. Dann kann der Patron aus Kurland seinen Gästen neben elf mit antiken Möbeln individuell gestalteten Zimmern im Haupthaus zehn weitere Zimmer und eine große Terrasse mit Blick über den hoteleigenen Teich bieten.

Gäste kommen gern zum Auftanken, Feiern und für Incentives. Der Patron begrüßt auch Touristen. Jeden führt er mit Herzblut durch das Haus. Jahn: "Hier hat jedes Stück seine Geschichte." Auf der Suche nach einem Sommersitz fand der Deutsche den Ort, an dem er seinen Lebensabend verbringen will. "Vorbei ist die Zeit, Hotelbetten füllen zu müssen", sagt der bodenständig gebliebene Patron im Karohemd, "Kuksu muiza ist mein Hobby."
Sabine Neumann

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