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Arkadien am Bodensee

Unbedingt besuchen: den zum Kloster-Münster Reichenau gehörenden Kräutergarten

Unbedingt besuchen: den zum Kloster-Münster Reichenau gehörenden Kräutergarten

Mainau und Reichenau: Parks und Gärten vom Mittelalter bis zur Moderne

Italienische Blumen-Wasser-Treppe auf der Insel Mainau

Italienische Blumen-Wasser-Treppe auf der Insel Mainau. Fotos: cd

Frau Böhler liebt Besuch. Heute hat sie sogar Zeit gefunden, Lavendelkekse zu backen. Falls halt wer reinschaut in ihren Garten auf der Reichenau. Es gibt keine Zäune rund um ihr kleines Paradies mit seinen unzähligen Rosenstöcken, Kakteen, Lavendelbeeten, Pinien und Palmen.

Fast wie am Mittelmeer
Die durch einen Damm mit dem Festland verbundene Bodenseeinsel ist ohnehin ein einziger Garten. Denn der Obst- und Gemüseanbau ist neben dem Tourismus der wichtigste Erwerbszweig. Frau Böhlers Grundstück grenzt direkt an den See. Am Ufer steht eine Reihe von Smaragd-Tujas Spalier. Aus der Ferne sehen sie aus wie Zypressen. Man könnte meinen, am Mittelmeer zu sein.

Seit 2008 besteht das „Garten-Rendezvous am Untersee“. Mehr als 40 private Gärten in Deutschland und der Schweiz haben ihre Pforten für Besucher geöffnet. Unbedingt besuchen sollte man auf der Reichenau noch „Strabos Kräutergarten“, der zum Kloster-Münster Sankt Maria und Markus gehört. Um 840 schrieb der Reichenauer Mönch Wahlafrid Strabo das Lehrgedicht „Hortulus“, das als erster Gartenratgeber Europas gilt.

In der 1991 nach historischem Vorbild angelegten Oase findet man zwei Dutzend der beschriebenen Pflanzen und Kräuter, darunter bekannte Gewächse wie Salbei, Liebstöckel, Kerbel und Rettich, aber auch exotisch anmutende Exemplare wie Ambrosia, Andorn und Heilziest. Angezogen fühlen sich auch Bienen und Hummeln sowie schillernde Libellen, die zwischen den Stängeln surren.

Geradezu riesig ist dagegen die „Blumeninsel“ Mainau. Natürlich ist die 45 Hektar große Mainau kein Geheimtipp mehr. Das ganze Jahr über ist die Insel von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung für Besucher geöffnet. Wenn der sommerliche Rosenrausch vorbei ist, flammen die Blüten der Dahlien auf den zum See abgestuften Hängen. Für Kinder ist die Mainau ein Paradies – mit Streichelzoo, Pony-Reitbahn, Schmetterlingshaus und einem Spielplatz mit Planschbecken.

Bereits 1825 wurde die Insel vom Fürst Esterhazy gekauft und in einen Landschaftspark umgewandelt. Kein Wunder daher, dass das Eiland über uralte Baumriesen verfügt, darunter kalifornische Nusseiben, Tulpenbäume und Zedern.

Blick bis zu den Alpen
Es war Großherzog Friedrich I. von Baden, der dieses Arboretum einst anlegte, nachdem er die Mainau 1853 als Sommerresidenz erwarb. Dessen Urenkel Lennart Graf Bernadotte machte die Insel zum beliebtesten Ausflugsziel am Bodensee. Heute stehen Bettina Gräfin Bernadotte und ihr Bruder Björn an der Spitze des Familienunternehmens.

Die Schiffspassage von der Mainau hinüber nach Meersburg dauert nur eine Viertelstunde. Vom Anleger führt ein kurzer Spaziergang durch malerische Gassen mit Fachwerkhäusern zu einem wahren Barockjuwel. Das fürstbischöfliche Schloss samt „hängendem Garten“ mit Brunnen, Buchs und Beeten prunkt auf Terrassen über dem See. Der Panoramablick über den Bodensee, bei gutem Wetter bis zu den Alpen, begeistert die Besucher damals wie heute.

Infos: www.bodenseegaerten.eu und www.garten-rendezvous-bodensee.de.

Claudia Diemar

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