Frankreich

Fische fangen, Fischer stechen

Einmal im Jahr findet das Stadtfest am Canal Royal statt – inklusive Fischerstechen.

Einmal im Jahr findet das Stadtfest am Canal Royal statt – inklusive Fischerstechen.

Im südfranzösischen Sete dreht sich alles um die Schätze des Meeres

Sete ist der zweitwichtigste Fischereihafen an der französischen Mittelmeerküste.

Sete ist der zweitwichtigste Fischereihafen an der französischen Mittelmeerküste.<br>Fotos: cd, P. Palau/Sete

Nein, es wird nicht mehr geschrien bei der Criee, die ja wortwörtlich so heißt: „Ausschreiung“ nämlich. Der Letzte, der seine Stimme bei der Fischauktion strapazierte, war der Großvater von Eric Monte, der heute an dem Fließband steht, auf dem die Schätze des Meeres nach Sorten gruppiert direkt von den Kuttern in die Halle rollen.

Konzentriert sitzen die Großhändler auf den Rängen, während die Digitalziffern auf der Anzeigetafel nach unten zählen, bis jemand auf den Kopf seines Senders drückt und das Gebot abgegeben ist. Der Kilopreis reicht von weniger als einem Euro für kleinere Felsenfische bis zu fast 24 Euro für besonders schöne Exemplare von Goldbrassen.

Monte ist ein italienischer Nachname. Praktisch alle Fischer von Sete haben italienische Vorfahren, wanderten um 1900 und nochmals in den 1960er Jahren, vor allem aus dem Raum Neapel, hier ein. Die Boote aber tragen französische Namen. Dreizehn Trawler und gut zwanzig kleinere Boote gibt es heute noch im Fischereihafen von Sete. „Früher waren es weit mehr“, weiß Monsieur Monte. Über den Kuttern, die noch am Ausladen sind, kreisen die Möwen mit wilden Schreien.

Bekannt für Roten Thunfisch
Sete ist noch immer der zweitwichtigste Fischereihafen der französischen Mittelmeerküste und der wichtigste für den Roten Thunfisch, der nur begrenzt gefangen werden darf. Letztes Jahr war er reichlich vertreten und die Quote bereits nach zwei Tagen erreicht. Den Rest der Schwärme mussten die Männer des Meeres davonschwimmen lassen.

Sete ist nicht wirklich malerisch. Alles, was nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde, ist von banaler Substanz. Dabei war Sete einmal eine prunkvolle Stadt. Hier endet der Canal du Midi, den der Sonnenkönig einst vom Atlantik zum Mittelmeer schlagen ließ. Salz, Wein, Stoffe, Fisch: Alles wurde gehandelt und wer hier Geschäfte machte, kam zu Einfluss und Wohlstand. Was in den 1970ern nicht weggerissen wurde, zeugt noch immer vom Reichtum und Glanz der alten Tage, als man hier über allein fünf Theater verfügte.

Zehntausende beim Fischerstechen
Einmal im Jahr zieht Sete ohnehin Zehntausende von Gästen an, wenn beim Stadtfest im Canal Royal das Fischerstechen zelebriert wird, wenn die Mannschaften mit ihren „Joutes“ genannten Heroen mit Schild und Speer antreten und sich gegenseitig von den Plattformen am Bug der Schiffe zu stoßen versuchen. Wer ins Wasser fällt, hat verloren.

Schon die Kinder üben für den zukünftigen Auftritt beim Spektakel, vor allem im Viertel La Pointe Courte, das erst vor zwei Generationen an Strom und Kanalisation angeschlossen wurde. Hier herrschen nicht die Möwen, sondern die Katzen. Gehegt und gepflegt von den Bewohnern, streifen sie mit stolzem Tigergang durch die Gassen mit den Fischerhäuschen. Längst sehen die Katen gepflegt aus, denn das einst verrufene Viertel ist angesagt bei Künstlern und Intellektuellen.

Es ist Zeit für ein Bier und Pommes frites dazu. So halten es die Setois gern zum Feierabend. Oder sie nehmen eine „Tielle“ zum Aperitif, Pastete mit Tintenfisch und Tomaten. Die besten gibt es bei Sophie Cianni nahe dem Canal Royal, wo das hochsommerliche Fischerstechen veranstaltet wird.

In diesem Jahr findet das Stadtfest mit dem Fischerstechen vom 21. bis 25. August statt. Informationen gibt es unter www.destinationsuddefrance.com (auch auf Deutsch).
Claudia Diemar