Deutschland

Main ist dein ganzes Herz

Im Spätsommer lockt auf dem Würzburger Marktplatz die Weinparade.

Im Spätsommer lockt auf dem Würzburger Marktplatz die Weinparade.

Würzburg punktet mit Welterbe- und Weinkultur

Die Festung Marienberg

Die Festung Marienberg. Fotos: jm

Napoleon Bonaparte nannte Würzburg einst „das größte Pfarrhaus Deutschlands“. Worauf Spötter bis heute meinen, die Stadt habe mehr Kirchtürme als Häuser. Zwei von ihnen ärgern die Touristen wie Hiroto aus Otsu, der Partnerstadt von Würzburg. Da steht der Japaner mit seinem Hütchen sowie der unvermeidlichen Selfie-Stange und wirkt ratlos. Die Festung Marienberg im Rücken, sucht sein Blick rast- und ratlos das unten liegende Würzburg ab. Dann fragt er: „Where is the Weltkultur?“

Kulturgeschichte an jeder Ecke
Die Rede ist von der Fürstbischöflichen Residenz, die zu den bedeutendsten Schlossanlagen des Barocks in Europa zählt und die schon 1982 zur damals erst dritten deutschen Weltkulturerbestätte ernannt wurde – nach dem Aachener (1978) und Speyerer Dom (1981). Giovanni Battista Tiepolo schuf das Deckenfresko, eines der größten einteiligen Fresken, die je entstanden sind.

Aber das interessiert Hiroto gerade nicht besonders. Er will ja nur ein Selfie von sich, der Stadt und der Residenz im Hintergrund. Doch das Schicksal will es, dass zwei Kirchtürme die Residenz größtenteils verdecken, wenn man von der Festung, dem Wahrzeichen der Stadt, darauf schaut.

Ansonsten sind die Besucher aus aller Welt recht glücklich in und mit Würzburg. Was einfach zu erklären ist. Die Frankenwein-Metropole liegt inmitten von Weinbergen, ist voll von Weinstuben, was die Kulturvisite bis in den Abend hinein verlängert. Denn in Würzburg gilt Wein als Kultur. Und es gibt auch jede Menge Geschichten dazu: etwa die vom Würzburger Stein, einem Riesling, der Goethes Lieblingstropfen war.

„Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden dieser Welt sind jene, aus denen man trinkt“, meinte Joachim Ringelnatz. Und die Besucher setzen das Bonmot gerne um, nippen zufrieden am Schoppen, in dem eben ein Würzburger Stein kredenzt wird, blicken von der Terrasse der Steinburg auf die Reben, die Stadt und die Festung. Was will man mehr?

Wurst für den Großen
Weinfeste zum Bespiel! Etwa die Weinparade (27. August bis 6. September), bei der ausschließlich Weine Würzburger Weingüter ausgeschenkt werden: hundert Weine, gepaart mit einem passenden Speisenangebot auf dem Würzburger Marktplatz. Die Weinparade ist so wie die Würzburger selbst: direkt und herzlich.

Es gibt einen Werbespot mit dem inzwischen wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Er, ein Riese von 2,13 Metern Größe, betritt eine Metzgerei. Und wie in seiner Würzburger Kindheit bekommt Basketball-Star Dirk Nowitzki eine extra Scheibe Wurst zum Sofortverzehr. „Damit du groß und stark wirst!“, sagt die Metzgersfrau und alle lachen – Main ist doch sein ganzes Herz …
Jochen Müssig
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