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Vom Gletscher ans Meer

Saftig grüne Wiesen und oft auch strahlend blauen Himmel gibt es rund um die Kuhina-Alm in Slowenien.

Saftig grüne Wiesen und oft auch strahlend blauen Himmel gibt es rund um die Kuhina-Alm in Slowenien.

Der Alpe-Adria-Trail verbindet Österreich, Slowenien und Italien

Da ist es endlich, das Meer! In dem Städtchen Muggia endet der Alpe-Adria-Trail.

Da ist es endlich, das Meer! In dem Städtchen Muggia endet der Alpe-Adria-Trail. Fotos: mc

Das Paradies! Nichts weniger wird Wanderern am Großglockner versprochen. Der höchste Berg Österreichs markiert die erste Etappe des noch jungen Alpe-Adria-Trails, der gerade seine zweite Saison erlebt. Motto: „Wandern im Garten Eden“. Die Pasterze, der größte Gletscher Österreichs, gehört dazu. Wer sich den Alpe-Adria-Trail vorknöpft, für den liegt der beeindruckende Eisriese auf dem Weg.

Auf dem gesamten Fernwanderweg sind auf 43 Etappen zigtausende Höhenmeter zu bewältigen. Kaum zu glauben, dass die steilen Pässe im Bundesland Kärnten einst wichtige Transitverbindungen gen Süden waren. Sehnsucht Italien, Adria, Pizza und Gelato.

Damals qualmten die Bremsen und schnauften die Motoren, heute schnaufen die Wanderer. Da braucht es mitunter Antrieb und verlockende Bilder im Kopf. Die liefern die so genannten Begleiter. Je drei Infosäulen, stellvertretend für die drei Nationen, informieren an markanten Punkten über den Alpe-Adria-Trail. Und machen mit schönen Fotos Lust auf die kommenden Kilometer. Mohrrübe-Esel-Prinzip.

Auf dem Weg zur Adria begegnet einem das kulturelle Mischmasch im Dreiländereck auf Schritt und Tritt. Der Name Pasterze etwa ist slowenischen Ursprungs. Er bedeutet „für Weideland geeignet“. Zum Baden sehr geeignet sind Millstätter See, Ossiacher See und Wörthersee. Der Alpe-Adria-Trail bringt die Wanderer an die beliebten Badeseen.

Oberhalb des Millstätter Sees hat Bauer Franz Glabischnig eine Idylle für Freunde regionaler Produkte geschaffen. Auf der Alexanderhütte mit dazugehöriger Alm wird frischer Käse und Milch serviert, die „wie früher“ schmeckt. „Wir schaffen unsere Milch nicht ins Tal, wo sie mit der anderen zusammengeschüttet wird“, sagt Glabischnig. Die Almwiesen wurden aufwändig zu Bioweideland umfunktioniert, seltene Blumen kehrten zurück. Etwa Knabenkraut oder Prachtnelke.

Prachtvolle Eindrücke für Naturliebhaber gibt es massenhaft entlang des Trails. Viele Teilstücke wurden innerhalb eines Jahres zu populären Wanderrevieren. So beliebt, dass mancher Wanderer die Wegweiser als Souvenir abmontiert. „Wir müssen uns da etwas einfallen lassen“, sagt der österreichische Tourismusexperte Günter Mussnig.

Ein Problem, das in Slowenien und Italien mancherorts gar nicht erst auftreten kann – wegen lückenhafter Ausschilderung. „Die Kollegen haben noch etwas Nachholbedarf“, so Mussnig diplomatisch. Da einige Etappen auf bereits bestehenden Wegen verlaufen, orientieren sich die Wanderer an den alten Markierungen.

Im slowenischen Soca-Tal ist Verlaufen außerdem kaum möglich: Immer dem leuchtend türkisblauen Fluss nach, vier Tagesetappen lang. Über wacklige Hängebrücken, vorbei an rauschenden Wasserfällen und unwirklich sattgrünen Almen.

Filmreif auch die slowenische Brda. Eine fruchtbare Hügellandschaft, die architektonisch, landschaftlich und kulinarisch stark an die Toskana erinnert. „2009 gab es in der ganzen Brda nur 46 Gästebetten“, sagt Touristenguide Peter Marinic bei einem Glas Brda-Wein, „heute sind es 500.“ Auch seine Dienste werden dank Alpe-Adria-Trail immer häufiger gebucht.

Von Smartno aus, einem mittelalterlich anmutenden Juwel mit engen Gassen, erspähen die Wanderer das Meer: die italienische Adria scheint zum Greifen nah – nach rund sechs Wochen Wanderschaft. Vorausgesetzt, man lässt keine der 43 Etappen aus.
Martin Cyris

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