Deutschland

Salzalpensteig: Salz unter den Füßen

Vom Grünstein hat man einen herrlichen Blick auf den Watzmann

Mit Eurohike unterwegs zwischen Chiemsee und Königssee

Schilder und Kruzifixe auf den Almen zwischen Reit im Winkl und Weitsee. Fotos: jt

Prien am Chiemsee empfängt uns mit einem abendlichen Gewitter. Der heftige Wind lässt den Regen gegen Fenster und Balkontüren im Hotel Schlossblick prasseln. Kein gutes Vorzeichen für unsere Wandertour, die uns in sechs Tagen auf dem neuen Weitwanderweg Salzalpensteig vom Ufer des „bayerischen Meers“ an den Königssee bringen wird.

Doch das Gewitter hat sich in der Nacht ausgetobt, am nächsten Morgen glitzert der Chiemsee im Sonnenschein. Aus der Ferne grüßen die Inseln Herrenchiemsee mit dem Versailles nachempfundenen Schloss Ludwigs II. und Frauenchiemsee hinüber. Für die Überfahrt und eine Besichtigung bleibt keine Zeit, denn vor uns liegen mehr als 20 Kilometer Fußmarsch. 

Der Salzalpensteig führt aus Prien hinaus und entlang des Ufers durch das Naturschutzgebiet nahe der Schilfzone. Mit jedem Kilometer, den wir auf den Wiesenwegen zurücklegen, rücken die Alpen näher. 

Dann geht es steil bergauf. Passenderweise klettert das Thermometer auf 34 Grad. Da kommt das klare Gebirgsbächlein gerade recht: Wir ziehen die Wanderschuhe aus und hängen die heißen Füße ins Wasser, während wir uns über unser Lunch-Paket hermachen. Durch den vergleichsweise kühlen Wald geht es dann bergab Richtung Marquartstein – das erste Etappenziel ist nach sieben Stunden erreicht. 

Am nächsten Morgen ist es deutlich kühler, die Alpengipfel verstecken sich hinter tiefhängenden Wolken. Dieses Wetter soll uns in den kommenden Tagen begleiten. Von Marquartstein geht es über blühende Almwiesen und den stillen Taubensee zu dem steilen Steig, der uns neben dem Hausbachfall hinab nach Reit im Winkl führt. Der beschauliche Ort ist bekannt als die Heimat des Volksmusik-Duos Maria und Margot Hellwig. Noch heute kann man in dem von Maria gegründeten Gasthof Kuhstall eine zünftige Brotzeit einnehmen und dabei dem Gesang von Mutter und Tochter vom Band lauschen. 

Von Reit im Winkl führt uns der Weg am nächsten Tag zunächst wieder hoch auf die Almwiesen. Kühe liegen wiederkäuend auf den Weiden, schauen uns neugierig entgegen. Wolkenfetzen haben sich in den Spitzen der dunklen Tannen verfangen. Es geht bergab und im Tal vorbei an Weitsee, Mittersee, Lodensee und Forchsee. Vom herrlichen Bergpanorama kriegen wir wegen der Wolken nichts mit. 

Kurz vor Ruhpolding kommen wir an der Chiemgau-Arena vorbei, dem Trainings- und Wettkampfzentrum für Biathlon und nordische Skisportarten. Im Winter ist hier jede Menge los, jetzt dreht ein einsamer Rollschuhläufer seine Runden. Am Ende der Tagesetappe stärken wir uns im berühmten alten Gasthaus Windbeutelgräfin, wo die Windbeutel im Durchschnitt 13,5 Zentimeter hoch sind. Für den Rest des Tages sind wir satt.
Weiter geht es in den nächsten Tagen nach Inzell und durch die spektakuläre Weißbachschlucht nach Bad Reichenhall, wo wir durch die Kuranlage schlendern. Als im wahrsten Sinne des Wortes letzter Höhepunkt steigen wir an unserem letzten Tag – nun wiederum bei über 30 Grad – auf den Grünstein. Der Rundumblick auf die Berchtesgadener Alpen inklusive Watzmann sowie den Königssee ist grandios. Nichts wie runter, Wanderschuhe aus, Füße ins Wasser.

Julia Treuherz

Der Salzalpensteig

Der 236 Kilometer lange Weitwanderweg führt in 18 Etappen vom Chiemsee zum Hallstätter See. Der Wanderer erfährt Wissenswertes über die Geschichte der Salzgewinnung und Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Eurohike bietet neu zwei achttägige individuelle Touren an. Auf der beschriebenen Wanderung „Salzalpensteig I“gelangt man auch an schöne Flecken abseits des Weges, etwa nach Reit im Winkl. Das Gepäck wird transportiert, die Unterkünfte sind vorgebucht.
Infos unter www.eurohike.at.

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