Irland

Dublin: Sportlich-literarisch

Rugby Boys: In Dublin herrscht an Sportbars kein Mangel

Irlands Hauptstadt ist für bestimmte Zielgruppen ein Top-Kurzreiseziel

Anlaufpunkt: Das Szeneviertel Temple Bar ist bei Einheimischen und Touristen beliebt. Fotos: fxm, Tourism Ireland

Dublin hat sich nicht nur generell zu einem beliebten Städtereiseziel gemausert, sondern auch für bestimmte Zielgruppen – zum Beispiel Sport-Fans. Gerade für die an sportlichen Traditionen Interessierten hat die Metropole am River Liffey eine Menge zu bieten.

So kann man im nördlichen Stadtteil Drumcondra den ehrwürdigen Croke Park besuchen, Sitz und Stadion der GAA Gaelic Athletic Association und Sportmuseum zugleich, das weit mehr bereithält als die übliche Stadionführung, Trophäensammlung und Heldenverehrung. Hier erfährt man in interaktiven, lebendig gestalteten Ausstellungen alles über die traditionellen irischen Sportarten wie Hurling und Gaelic Football, die noch heute fester Bestandteil des Nationalgefühls sind.

Groß, aber überschaubar

Gaelic Football wird wie Rugby mit Händen und Füßen gespielt, Hurling mit einem Holzschläger und einer Art Tennisball. Die weibliche Hurling-Variante heißt Camogie – alles zusammen Sportarten, die in Bezug auf Tempo, Taktik, Dramatik und Intensität viele andere Ballsportarten in den Schatten stellen. Vorkenntnisse braucht man keine, denn im GAA-Museum werden nicht nur die Regeln erläutert, sondern auch geschichtliche Ursprünge und gesellschaftliche Aspekte beleuchtet. Ein weiterer Vorteil des Museumsbesuchs: Wer sich für den irischen Sport interessiert, wird von den Dublinern sofort ins Herz geschlossen.

Dublin samt Umgebung ist mit über einer Millionen Einwohnern groß geworden und trotzdem überschaubar geblieben. Es will kosmopolitisch erscheinen und bewahrt dennoch irische Traditionen. Eine davon ist die Wertschätzung seiner Schriftsteller.

Und so verwundert es nicht, dass man in Dublin überall auf die Spuren großer Literaten wie James Joyce, Bram Stoker, Samuel Beckett, Oscar Wilde oder Seamus Heaney trifft. Bis heute gilt Dublin als eine Art Club der unsterblichen Dichter – schließlich bekam man wie nur vier weitere Städte in der Welt den Unesco-Titel „City of Literature“ verliehen.

Joyce hasste und liebte die Stadt

Und Dublin hat ihn verdient. Viele Wohnhäuser kann man auf einem literarischen Spaziergang entdecken, die ein blaues Schild mit dem Namen eines Dichters schmückt, der es einst bewohnte. Leidenschaftlich wird es im wahrsten Sinne des Wortes, wenn am 16. Juni der „Bloomsday“ gefeiert wird. Dann ist die ganze Stadt auf den Beinen, um James Joyce und seinen Jahrhundertroman Ulysses zu ehren, der diesen einen Tag im Leben des Leopold Bloom beschreibt. „Ich schreibe immer über Dublin, denn wenn ich zum Herzen von Dublin vordringen kann, kann ich zum Herzen aller Städte der Welt durchdringen“, sagte Joyce einmal, den Zeit seines Lebens eine Art Hassliebe mit seinem Geburtsort verband.

Im Trubel der Gegenwart erscheint die Stadt freundlich und hell – nicht nur im touristisch stark frequentierten Vorzeigestadtteil Temple Bar, sondern auch in Smithfield Village, rund um St. Stephen’s Green oder im Phoenix Park, einem der schönsten innerstädtischen Parkanlagen in Europa. Und sollte es einmal draußen ungemütlich werden, schlüpft man in einen Pub wie die 300 Jahre alte O’Neill’s Bar zwischen Trinity College und der Einkaufsmeile Grafton Street und wartet bei einem Durstlöscher und einem Schwätzchen auf die nächsten Sonnenstrahlen.

Franz-Xaver Müller

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