Finnland

Saimaa: Himmlische Ruhe überall

Wasser, Wälder und sonst fast nichts gibt es im Saimaa-Seengebiet. Foto: Savonlinna Travel

Das Seengebiet ist die reinste Naturidylle

Niemand kennt die genaue Zahl der finnischen Seen, 188.000 Seen sollen es in etwa sein. Ein großer Teil von ihnen liegt im südöstlichen Landesteil. Hier scheint die Welt nur aus glasklaren Gewässern aller Größen und üppig bewaldeten Inseln zu bestehen. 

Nirgendwo sonst in Europa gibt es ein ähnlich verzweigtes Seen-Labyrinth – der Bodensee würde flächenmäßig gut siebenmal hineinpassen. Es wirkt wie ein riesiges Puzzle, das die Eiszeit hinterlassen hat, mit unzähligen Inseln, die sich als grüne Tupfer bis zum Horizont verlieren. Die Uferlinie wird auf mehrere Tausend Kilometer geschätzt. 

Über weite Strecken ist das ganze Saimaa-Seengebiet eine ungestörte, von Menschenhand kaum berührte Naturidylle, wo Flora und Fauna noch intakt sind. Wer sie per Segel-, Motor- oder Paddelboot durchquert, meint in herrenloses Land einzudringen. Hier kann man tagelang unterwegs sein, ohne einer Menschenseele zu begegnen, und es gibt Gelegenheit genug, dem Alltag den Rücken zu kehren. Dass man in den häufig einfach ausgestatteten Sommerhäusern (Kesämökit) vereinzelt auf Strom und fließendes Wasser verzichten muss, gehört einfach dazu – nicht aber auf eine Sauna.

Angezogen von der landschaftlichen Schönheit des Saimaa-Gebiets fühlte sich bereits im 19. Jahrhundert die russische Zarenfamilie. Sie schätzte Saimaa als nah gelegene Sommerfrische, wie überhaupt diese Gegend beim großen Nachbarn jenseits der Grenze noch immer beliebt zu sein scheint. Die Zahl russischer Besitzer von Sommerhäusern und Grundstücken ist jedenfalls beeindruckend. Sie bevorzugen vor allem die Umgebung der Ferienorte Puumala und Punkaharju. 

Ganz in der Nähe führt ein schmaler, zum Teil befahrbarer Moränenrücken mitten durch die grün-blaue Seen- und Insellandschaft. Und in der Gemeinde Kerimäki am See Puruvesi glaubt man seinen Augen nicht zu trauen: Dort steht die größte Holzkirche der Welt, die Kerimäen kirkko mit Platz für 5.000 Personen. 

Größere Städte im Saimaaa-Seengebiet sind Kuopio, Mikkeli, Lappeenranta und Savonlinna. Letztere ist bekannt wegen der dort im Sommer veranstalteten Opernfestspiele in der Burg Olavinlinna.

Im Seengebiet kann es manchmal derart ruhig sein, dass Fremde es mit der Angst bekämen, erzählt eine Sommerhaus-Besitzerin. Aber totale Stille würde helfen, sich auf sich selbst zu konzentrieren, ein Zustand, den Finnen mit „olla vain“ bezeichnen, was „nur sein“ bedeutet. Und was ist mit den Stechmücken? Ein Nachbar stellt lakonisch fest, es gebe jede Menge verschiedene Mückenarten, die sich von Anfang Mai bis Anfang Juli am wohlsten fühlen. Wer an sie gewöhnt sei, würde nicht mal ihre Stiche merken. Auch hier hilft also finnische Gelassenheit.

Andreas Jacobsen

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