Großbritannien

London: Green in the City

Blumenumrankter Blick aus dem Fenster des Atheneum Hotels

Blumenumrankter Blick aus dem Fenster des Atheneum Hotels

Patrick Blancs vertikaler Garten ist Teil eines Luxushotels

Links: Londons höchster Garten umspannt zehn Stockwerke. Rechts: Röhrenjeans mit Pflanzendruck und Hemd mit Blattmuster: Architekt Patrick Blanc.

Links: Londons höchster Garten umspannt zehn Stockwerke. Rechts: Röhrenjeans mit Pflanzendruck und Hemd mit Blattmuster: Architekt Patrick Blanc. Fotos: bel

Wenige Schritte von Londons Zentrum entfernt wächst seit wenigen Jahren die spannendste grüne Attraktion der Metropole. Der vertikale Garten am Luxushotel The Atheneum ragt wie ein lebendiges Kliff in den Himmel. Zehn Stockwerke überspannend, gilt er als Londons höchster Garten, ein Denkmal der Natur und doch von Menschenhand. Der Verkehrslärm brandet wie Wellen an seinen Fuß, Wolken und Winde ziehen über seine Spitze. Mosaike aus chilenischen Bromelien, japanischen Schwertlilien und brasilianischen Fuchsien schmücken das Hotel wie ein grüner Wandteppich.

Von Zeit zu Zeit schaut sein Schöpfer Patrick Blanc vorbei, Pariser Botanikkünstler und Erfinder der grünen Wände. Alles an ihm ist grün. Seine neongrün gefärbten Haare, Röhrenjeans mit Pflanzendruck und Hemd mit Blattmuster.

In Zusammenarbeit mit Stararchitekten wie Jean Nouvel kleidete der Pariser Botaniker über 250 Gebäude in aller Welt in lebende Hüllen. Darunter das Musee du Quai Branly in Paris, die Galeries Lafayettes in Berlin, das Parlament in Brüssel, die Universität von Sao Paulo, das Phyto Universe in New York und die Quantas Lounge in Sydney. „Die vertikalen Gärten sind weitgehend autonom, wie ein echtes Stück Natur“, betont er. „ Ich glaube, die Menschen fühlen das.“

Das familiengeführte Atheneum Hotel gab 2009 die erste grüne Wand Londons in Auftrag. 260 Arten aus Südafrika, Japan, Brasilien und Chile suchte Blanc aus und wob aus ihnen ein grandioses Wandgemälde. Blätter in allen Schattierungen, von Lind- über Moos- bis Schwarzgrün, durchbrochen von Blütentupfern in Lila, Weiß und Gelb.

„In den Metropolen brauchen wir den horizontalen Raum zum Schlafen, zum Parken, zum Arbeiten“, ist Blanc überzeugt und erobert mit seinen Kompositionen die Senkrechte. Jede ist eine einzigartige botanische Sammlung aus 300 bis 500 Arten. Dafür kletterte er auf Baumriesen im brasilianischen Regenwald, seilte sich ab von thailändischen Felsen, kraxelte in Alpenschluchten. Und fand eine Vielzahl der Lebenskünstler, die keine Erde brauchen und heute seine Biotope bevölkern. Die Pflanzen wurzeln in einem Flies, das automatisch bewässert und gedüngt wird, Blancs Erfindung.

Man könnte eine Weltreise auf Blancs Spuren machen. Oder einen Rundgang durch London. Am Restaurant The Driver in Kings Cross hängt eines seiner Werke. Auch für die Skyteam Lounge am Flughafen Heathrow hat Blanc einen Pflanzenpelz entworfen. Mit dem nötigen Kleingeld können selbst Privatleute sich Blancs lebendige Architektur an ihre Fassaden holen.

Wenn es Abend wird im Atheneum Hotel, denkt man an die prominenten Gäste des Traditionshauses: Harrison Ford, John Wayne und Sandra Bullock, Mick Jagger, Sheryl Crow und Robbie Williams, Margaret Thatcher und Steven Spielberg. Vor dem Einschlafen blicken die Gäste in ihren Suiten durch einen Blumenrahmen auf den Green Park, die Piccadilly Arcade und den Buckingham Palace. Dort flattert mit etwas Glück die königliche Flagge, die anzeigt, dass die Queen „at home“ ist.
Helgard Below

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