Russland

Transsibirische Eisenbahn: Ein Eisiges Abenteuer

Winterlich: die Transsib im Bahnhof von Ulan-Ude in Ostsibirien

Im Winter von Moskau in die Mongolei

„Zarengold“-‧Bord‧begleiterin Viktoria Sotkina, hier im Bahnhof von Krasnojarsk. Bilder: ad

Die Zugfenster bieten grandioses Bord-kino! Puderweiße Zauberlandschaften ziehen vorbei, unermessliche Weiten, versunken im Eis. Wälder und Häuser unter massigen Schneelasten. Kamine setzen Rauchzeichen, Dächer tragen kapitale Zapfen.
Wer im Winter die besondere Herausforderung sucht, rattert in der Transsibirischen Eisenbahn durch einen der knackigsten Fröste der Welt, über fünf Zeitzonen hinweg, 6.305 Kilometer von Moskau bis in die Mongolei. Möglich macht es der Sonderzug „Zarengold“, eine rollende Komfort-Oase im Vergleich zu den Regelzügen, in denen sich die Einheimischen in Massen‧abteilen in schneidend dicker Luft bewegen.

Warme Abteile und Eisblumen

Dauerthema unter den Gästen ist die Außentemperatur, sobald sich Gelegenheit bietet, den Zug bei kurzen technischen Stopps in Bahn‧höfen oder längeren, organisierten Ausflügen zu verlassen. Oft zeigt das Thermometer minus 20 bis 30 Grad.
Moskau gibt Zeit zur Eingewöhnung, bevor das Bahnabenteuer am Jaroslawler Bahnhof beginnt: Kurs auf die Wolga und das Ural-Gebirge, das historische Jekaterinburg, Sibirien, die Taiga. Reiseleiter Valeri, der exzellent Deutsch spricht, hängt das Tagesprogramm auf den Gang, leuchtet bei Kurzvorträgen Hintergründe zum letzten Zaren und das Winterleben in seiner Heimat aus, führt ins Geheimnis einer Wodkaprobe ein.
Die Abteile sind wohl temperiert, was nicht am Alkohol liegt. Dagegen können an den Gangfenstern und den Kälteschleusen zwischen den Waggons Eisblumen wachsen. Freundliche Bord-Engel wie Viktoria machen die Betten in den Kabinen, saugen die Teppichböden und servieren Getränke. Bei der Kleidung herrscht kein Dresscode, Bequemlichkeit rangiert obenan.

Schlittentour auf dem Baikalsee

Bahnhöfe sind architektonische Prunkstücke – und der in Nowosibirsk überrascht mit Palmen in einem Gewächshaus. In Krasnojarsk geht’s per Bus an den Fluss Jenissei, über dem gespenstisch Dunst wabert, und ab Irkutsk ins Dorf Listvyanka, an den Ufern des Baikalsee gelegen. Das Riesengewässer, das im November zuzufrieren beginnt, gibt Gelegenheit zu einer Fahrt in der Pferde-Troika und einer Motor- oder Hundeschlittentour.

Finale in der Jurte möglich

Kaum zu glauben, dass Grün und Blüten im Spätfrühjahr explodieren – und generell 300 sonnige Tage pro Jahr zu Buche schlagen, wie Lokalführerin Ludmila versichert. Der Winter sei zudem nicht so grausam, wie man sich das gewöhnlich vorstelle, fügt sie hinzu. Denn vorteilhaft wirke sich die trockene Kälte aus.
Frostklirrend bleibt es trotzdem, auch in der Mongolei. In der Hauptstadt Ulan Bator nimmt man Abschied vom Zug, doch wer mag, setzt einen eisigen Selbstversuch in der Bergsteppe drauf: die Übernachtung in einer Jurte. Gut, dass in der Mitte des Filzzelts, wie es traditionell auch Nomaden nutzen, ein Öfchen bullert und der Nachtwächter gelegentlich hereinschneit und Holzscheite nachlegt.


Von Andreas Drouve
 

„Zarengold-Wintermärchen“
Bahnspezialist Lernidee Erlebnisreisen bietet die Reise auch 2019 und 2020 an. Ende Februar bis Anfang März geht es jeweils von Moskau nach Ulan Bator, wobei Verlängerungsreisen nach Peking möglich sind. In umgekehrter Richtung starten die Reisen Anfang März. Der Veranstalter hilft auch bei der Besorgung eines Russland-Visums. Die genauen Termine und weitere Infos unter www.lernidee.de.

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