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„Today is life. Tomorrow never comes“

Blick aus einer Höhle auf das „beschauliche“ Matala. Foto: jm

Blick aus einer Höhle auf das „beschauliche“ Matala. Foto: jm

Auf Kreta haben Hippies den Tourismus angekurbelt

Auch eine Höhlenkirche gibt es. Foto: jm

Auch eine Höhlenkirche gibt es. Foto: jm

Nachts bin ich in Matala angekommen. Am Strand war ein großes Feuer, eine super Fete. Ich bekam sofort etwas zu trinken, war sofort integriert und habe sogar gleich eine Höhle zum Schlafen bekommen“, erinnert sich Arn Strohmeyer an 1967. „Matala war zu der Zeit ein großes Thema, mit freiem Leben und so. Da musste ich hin“, erzählt der damals 25 Jahre alte Philosophiestudent. Die Überfahrt ab Athen finanzierte er sich durch eine Blutspende in der griechischen Hauptstadt. „40 Mark gab es dafür!“ Und als er am nächsten Morgen aus seiner Höhle lugte, begrüßte ihn ein gewisser Georg. Es war der damals noch unbekannte Georg Danzer.

Matala, im Süden Kretas, war Ende der 1960er Jahre ein Dorf ohne Strom, bewohnt von ein paar Bauern und Fischern. Das Süßwasser kam aus dem Brunnen. Diese Zeiten waren schon Vergangenheit, als Strohmeyer 2011 seine Erfahrungen verarbeitete und ein Buch schrieb: „Mythos Matala“. Er wollte es bei einem Hippie-Revival-Fest vorstellen und bekam für die Idee, ein jährliches Fest zu machen, die Ehrenbürgerurkunde der Gemeinde.

Schon zum ersten Fest 2011 kamen nicht die 300 Leute, wie Strohmeyer dachte, sondern 30.000. Der Bürgermeister war glücklich über diesen Schub, denn spätestens seitdem lebt Matala fast ausschließlich vom Tourismus, auch wenn es noch zwei professionelle Fischer gibt und jeder seine Olivenbäume aberntet, so er welche hat.

Der heutige Bürgermeister, Grigorio Nikolidakis, nennt die wichtigsten touristischen Zahlen: „Matala hat derzeit 3.500 Betten, meistens in Apartments, deutlich weniger in kleinen Hotels. Wichtigster Veranstalter aus Deutschland ist TUI.“

Und die Deutschen sind auch die wichtigsten Besucher. Hotelier Manolis Spinthakis weiß: „Manche kommen seit 30 bis 40 Jahren. Viele waren auch Teil der Nach-Hippie-Zeit in den 1980ern“. Eine Naturschutzbestimmung sorgte dafür, dass allenfalls zweistöckige Häuser gebaut werden durften.

So ist Matala in den letzten gut 50 Jahren zwar von einem Dutzend auf 70 Häuser angewachsen, aber „so wurden auch die Familienbetriebe geschützt und Matala konnte sein Gesicht im Großen und Ganzen bewahren“, sagt Nikolidakis.

Das Dorf besteht heute aus rund 15 Familien, die sich das Geschäft teilen. Und manch einer von ihnen blickt auch schon voraus: Einer wie Manolis Spinthakis, der neben seinen schönen Apartments „Antonios“ etwa die feine „Villa Luna“ mit privatem Pool anbietet: eine Ausnahme im Dorf, das von unteren Mittelklasseunterkünften beherrscht wird.

Man spürt auch, dass der Bürgermeister sich große Hotels wünschen würde. Und er lässt sich entlocken, dass eine große Hotelgruppe Interesse gezeigt hat. Für einen Namen sei es jedoch noch viel zu früh. „Today is life. Tomorrow never comes“: So steht es (jedes Jahr mit neuer Farbe aufgefrischt) seit den Hippie-Zeiten an der Kaimauer.

In der Hochsaison sind bis zu 5.000 Touristen in dem Ort mit gut hundert Einwohnern. Im Winter sind es gar nur noch 20 Standhafte. 1.500 Tagestouristen werden im Sommer mit Bussen nach Matala gebracht: Lunch in der Taverne, Höhlen-besuch, Strand, Abfahrt.

Jochen Müssig