Spanien

Die Farbe Lila

Die Kirche San ­Felipe liegt nur ­wenige Meter vom Hotel Castilla Termal­ Brihuega entfernt

Die Kirche San ­Felipe liegt nur ­wenige Meter vom Hotel Castilla Termal­ Brihuega entfernt. Foto: ras

Brihuega ist ein Zentrum des Lavendelanbaus. Ein Besuch lohnt sich auch außerhalb der Blütezeit 

Sah man vor dem Handy-Zeitalter einen sehenswerten Ort, sagte man häufig, man habe einen ganzen Film vollgeknipst. Heute ist kaum mehr vorstellbar, dass so eine Filmrolle endlich war, mit 24 oder 36 Fotos.

In Brihuega würde ein Film nicht reichen. Der malerische Ort gehört zur Kooperation der „Magischen Dörfern Spaniens“ und ist wie geschaffen, um eine Sonderreise für kunsthistorisch interessierte Menschen aufzulegen. Brihuega wirkt abgeschieden, liegt tatsächlich aber nur rund 90 Autominuten nordöstlich von Madrid. Auf die touristischen Landkarten kam der Ort allerdings vor allem wegen seiner Lavendelfelder. Diese sind zwar nicht so groß wie in der Provence, stehen ihnen an Duft und Farbe aber nicht nach. 
Beim Höhepunkt – in diesem Jahr wird das Festival des Lavendels am 12. und 13. 
Juli gefeiert – strömen hunderte Besucher zum Musikkonzert in die Felder. Sie müssen weiß gekleidet sein – für den Kontrast mit den lila Blüten. Zudem werden an den Juli-Wochenende Touren in die Felder ­sowie Ballonfahrten angeboten. Ab Mitte August beginnt die Ernte. 

Altstadt steht unter Denkmalschutz

Während der Blütezeit des Lavendels 
erstrahlt das ganze Örtchen noch mehr als sonst schon in der Farbe Lila: Lavendelfarbene Schirmchen überspannen die Gässchen der autofreien, kopfsteinbepflasterten Altstadt, die unter Denkmalschutz steht. Lavendeleis, -kekse und andere Produkte kann man das ganze Jahr über kaufen und auch probieren.
Eigentlich wegen des Lavendels gekommen, ist der Besucher überrascht, dass Brihuega so viel mehr bietet und fotografiert los. Die alte arabische Stadtmauer etwa, von der hunderte Meter und noch zwei Stadttore erhalten sind. Oder das großzügig angelegte und gut restaurierte mittelalterliche Castillo de la Piedra Bermeja (vom Roten Stein), das in die Liste schützenswerten Kulturgüter Spaniens aufgenommen wurde. Stolz steht es am Rande des Plateaus, auf dem Brihuega liegt, und bietet gute Ausblicke auf die Ebene. 
Sehenswert sind auch die vielen gut erhaltenen Brunnen und Kirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert, ob sie nun dem Heiligen Felipe, Miguel, Simon oder der Heiligen Maria gewidmet sind. 

Besucher können sich die große Stierkampfarena anschauen und die Arabischen Höhlen, die zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert angelegt wurden. Von den insgesamt acht Kilometern können 700 Meter besucht werden. 

Der Eingang liegt am Hauptplatz, dem Plaza del Coso. Das Gebäude genau gegenüber wurde 1781 errichtet und war in der Zeit von Carlos III. ein Gefängnis, heute ist hier die Touristeninformation. 

Zum Miniaturmuseum Max zählen 65.000 Unikate

Im über 500 Jahre alten Konvent San Jose befindet sich das Miniaturmuseum Max. Zu den über 65.000 Unikaten gehört auch das Abendmahl von Leonardo da Vinci. Allerdings auf einem Reiskorn.

Die Königliche Tuchfabrik aus dem 18. Jahrhundert, die inmitten eines prächtigen Gartens liegt, wurde über viele Jahre hinweg behutsam in ein Fünf-Sterne-Domizil umgebaut. Seit 2023 empfängt das Spa- und Wellness-Hotel Castilla Termal ­Brihuega mit seinen 78 Zimmern Urlauber und bietet sich bei Gruppenreisen nach Brihuega als ideale Unterkunft an. 

Auch für die nötige Literatur ist gesorgt: Der Literaturnobelpreisträger Camilo Jose Cela hat dem Ort in seinem Buch „Reise durch die Alcarria“ ein Denkmal gesetzt. 
 

Sylvia Raschke