USA

Florida: Winter Park ohne Schnee

Entspannender Ort mit viel Wasser: Winter Park in Florida. Foto: cb

Auf Bootstour durch „Amerikas Venedig“ in Orange County

Dass in Winter Park, 20 Meilen nördlich von Disney World in Orange County, keine ganz Armen wohnen, ist dem 30.000-Einwohner-Städtchen im sonnigen Florida anzusehen. Den schönsten Weg, die Pracht, den historischen Charme und das viele Grün von Winter Park zu genießen, bietet seit 1938 die „Scenic Boat Tour“. Rund eine Stunde geht es zwölf Meilen über Seen, durch Kanäle und unter Brücken durch „Amerikas Venedig“. Die erste Brücke beantwortet bereits die Frage, warum dem Boot ein Dach als Sonnenschutz fehlt.

Wie Bartflechten hängen auch als Louisianamoos bekannte Tillandsien von den Bäumen. Früher wurden sie getrocknet und polsterten Matratzen und Autositze, weiß Bootsführer Dan Lancaster. Er glänzt mit botanischem Wissen. Die etwas über drei Meter breiten Kanäle durch das frühere ?Gebiet der Seminolen bringen Tigerbambus, Papyrus, Elefantenohren und Philodendren zum Greifen nahe. Mit etwas Glück blüht am Ufer des Lake Maitland der Azaleengarten. Das 125 Jahre alte Rollins College kommentiert Dan mit der Bemerkung: „Jede Klasse bringt einen Professor hervor.“ Aber auch Anwesen mit mehreren Millionen Dollar teuren Wohnhäusern und gepflegten Gärten beeindrucken.

Um den Anwohnern unerwünschten Besuch zu ersparen, wurden aus der Alligatorbucht 150 Echsen nach Südflorida umgesiedelt. Statt früher acht am Tag sieht Dan heute so viel gepanzerte Räuber pro Monat. Vom in eine Wohnanlage umgewandelten Seminolen-Hotel ist nur noch das hölzerne Bootshaus übrig geblieben. Viel zu schnell legt das Boot für bis zu 18 Passagiere wieder am Lake-Osceola-Landungssteg an. Die Erwachsenen haben zwölf Euro für die Tour bezahlt, Kinder die Hälfte. Weiter geht es ins Albin-Polasek-Museum, dessen Skulpturengarten wir schon vom Boot aus bewundert haben. Der gebürtige Tscheche leitete 27 Jahre lang die Skulpturen-Abteilung des Art Institutes of Chicago, bevor er sich 1950 am Lake Osceola zur Ruhe setzte, wo 200 seiner Werke heute noch zu sehen sind. Eine Alternative bildet das Morse-Museum Amerikanischer Kunst mit der weltgößten Sammlung von Glas- und Schmuckobjekten sowie Gemälden des 1933 verstorbenen Louis Comfort Tiffany. Seine bunten Glaslampen prägten den Gattungsbegriff. Tiffany gilt als einer der profiliertesten Vertreter des Jugendstils. Das nach Charles Hosmer Morse benannte Museum zeigt ferner Töpferkunst sowie amerikanische Malerei und Grafik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Ein – allerdings hochpreisiges – Einkaufsparadies zieht sich entlang der Park Avenue mit vielen schmucken Spezialitätenrestaurants. Es ist sogar sonntags ab dem späten Vormittag geöffnet. Boutiquen prägen das Bild. Der Cheese Shop hat echten italienischen Büffel-Mozzarella im Angebot. Earth Inspired handelt mit Produkten aus recycelten und organischen Materialien, Timothy’s Gallery beteiligt Glas- und Holzkünstler zur Hälfte am Verkauf. Bei Williams + Sonoma kostet das zwölfteilige Kupfer-Kochgeschirr von Mauviel 2.149,95 Dollar. Nur von Winter ist in diesem Städtchen nichts zu sehen.

Christian Boergen

Winter Park online

www.cityofwinterpark.org
www.scenicboattours.com 
www.rollins.edu
www.polasek.org
www.morsemuseum.org

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