Argentinien

Ein Wasserfall als Magnet

Täglich strömen über 3.000 Touristen zu den Iguassu-Wasserfällen. Foto: ah

Brasilien und Argentinien teilen sich die Iguassu-Wasserfälle

Vorsicht ist geboten! Die Besucher des argentinischen Nationalparks Cataratas del Iguazu müssen auf den festen Fußwegen bleiben. Sonst machen sie Bekanntschaft mit der gefährlichen Giftschlange Yarara Cusu, die neben Kapuzenaffen, Warzenschweinen und Nasenbären in den subtropischen Wäldern des 1934 gegründeten Parks lebt. Die Hauptattraktion des Parks im Nordosten Argentiniens sind jedoch die 275 Wasserfälle des Flusses Rio Iguassu. Sie bilden als größte Wasserfälle des lateinamerikanischen Kontinents die natürliche Grenze zum Nachbarstaat Brasilien.

Die berühmten Iguassu-Wasserfälle kann der Tourist auf der argentinischen und auf der brasilianischen Seite besuchen. Deutsche bevorzugen die argentinische Seite. Dort ist der Urlauber besonders nah an den Fällen, die sich in prächtigen Kaskaden bis zu 70 Meter in die Tiefe stürzen. Das Wegenetz durch den dichten Regenwald ist verschachtelt und wirkt sehr ursprünglich. Im Nationalpark führt ein raffiniertes Brückensystem durch die subtropischen Wälder.

Weit von den Fällen und somit auch von den Touristenströmen entfernt, leben heute im Cataratas del Iguazu sogar noch Tapire und rund 50 Jaguare. Die Parkbesucher können die Fälle auf unterschiedlichen Ebenen fotografieren oder mit einem offenen, Gas betriebenen Minizug fast bis zu der Plattform über den hufeisenförmigen Teufelsschlund fahren, wo der Hauptwasserfall Salto Union die nähere Umgebung in einen feuchten Dauerschleier hüllt.

Während die argentinische Iguassu-Seite in einen dichten Regenwald eingebettet ist und sich dem Besucher nach jeder Wegeskurve ein neuer unfassbar schöner Blick auf die Fälle offenbart, lässt sich von Brasilien aus das überwältigende Panorama der Fälle fassen.

Auf einem ein Kilometer langen Spaziergang mit fantastischen Aussichten gen Argentinien werden die gewaltigen Dimensionen der breitesten Wasserfälle der Welt erst richtig greifbar. Bunte Schmetterlinge flattern dabei durch die feuchte Nachmittagsluft, Regenbögen bilden sich in der tiefen Schlucht, die Idylle ist perfekt.

Wer Glück hat, entdeckt einen Tukan oder Papagei in einem der Teakbäume am Wegesrand. Bei Sonnenschein, 33 Grad Lufttemperatur und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit prickelt der leichte Dauernieselregen der Wasserfälle angenehm auf der Haut.

Arne Hübner

 

Massenziel Iguassu
Anfang des 20. Jahrhunderts kamen die ersten Besucher aus dem 1.600 Kilometer entfernten Buenos Aires nach Iguassu. Damals reiste man noch mit dem Dampfer an. Heute gibt es im Umkreis von 50 Kilometern drei Flughäfen. 2009 besuchten 950.000 Touristen Iguassu, 2010 waren es über 1,1 Millionen Menschen. Das Wachstum führt zu einem Ausbau der Infrastruktur. Lag die Bettenkapazität auf der argentinischen Seite der Fälle vor zehn Jahren noch bei 8.000, so hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Im argentinischen Iguassu-Gebiet stehen derzeit 67 Hotels, zwölf weitere sind im Bau. Täglich besuchen 3.300 Menschen die Wasserfälle, in Stoßzeiten sind es über 10.000 Touristen.