Chile

Der Leuchtturmwärter am Ende der Welt

Manuel Canepa ist Herr über zwei lebenswichtige Leuchttürme am gefährlichen Kap Hoorn.

Manuel Canepa ist Herr über zwei lebenswichtige Leuchttürme am gefährlichen Kap Hoorn. Foto: jm

Chile: Ein Landgang am Kap Hoorn ist ein seltenes Abenteuer

Sergeant Manuel Canepa verkörpert die letzte Bastion Chiles vor dem ewigen Eis und ist der Herr zweier lebenswichtiger Leuchttürme für die Seefahrt. Schon die Reise zum Mann am Ende der Welt ist ein Abenteuer. Herman Melvilles und Jules Vernes Erzählungen im Gepäck, geht’s von Punta Arenas durch die Magellanstraße, die Allee der Gletscher, den Beagle-Kanal und hinaus ins offene Meer zum Kap Hoorn.

Das Wetter ist gut. Sehr gut sogar. Aber es kann auch sehr schnell umschlagen am Kap. „Wir haben Glück“, sagt der Kapitän der Stella Australis, Haime Iturro. So ruhig sei die See hier höchstens einmal im Jahr. Keiner wird nass bei der Zodiac-Fahrt zum Land, und nach 167 Stufen steht Manuel Canepa zum Empfang bereit: 40 Jahre alt, in Paradeuniform gekleidet, fester Händedruck.

Manuel bittet gleich ins Haus – trotz des guten Kap-Wetters bei fünf Grad Außentemperatur und dunkelgrauen Regenwolken. Der Sergeant nimmt seine Offiziersmütze ab. „Ich habe mich um diese Stelle beworben. Keiner wird gezwungen, hier Dienst zu tun!“

Die zehn Prozent Sold, die es auf diesem Außenposten mehr gibt und die Nebeneinkünfte durch den Verkauf von Postkarten mit dem begehrten Kap-Hoorn-Stempel an Kreuzfahrer – so sie denn anlanden können – seien nicht der ausschlaggebende Grund für die Bewerbung gewesen. „Ich wollte diese Erfahrung machen. Und meine Frau wollte es auch. Sie ist die Inselkönigin!“ Und Mutter der zweijährigen Stella sowie in Personalunion auch Lehrerin des 14-jährigen Xavier für ein Jahr.

Verwandte oder Freunde dürfen auf die Insel kommen, aber die Anreise ist zeitaufwändig, teuer und vor allem: Niemand weiß, ob er bei der Ankunft auch wirklich anlanden kann. Manuel selbst darf das Kap nur bei einem gesundheitlichen Notfall verlassen.

Mit seiner Familie lebt er in einem kleinen Häuschen am alten Leuchtturm. Nebenan steht eine Kapelle. „Wir leben hier in der Zivilisation mit Fernsehen und Fußball, Radio und Musik sowie Internet für den Filius!“ Alle zwei Monate liefert ein Versorgungsschiff Proviant. Dann gibt’s auch mal Obst und Gemüse.

Kap Hoorn ist ja ein Mythos ... „Nein. Kap Hoorn ist der größte Schiffsfriedhof der Welt. 800 Schiffe sind hier gesunken, 10.000 Menschen ums Leben gekommen“, sagt Manuel, der permanent Funkkontakt zu den Riesenpötten hält, für die der Panamakanal zu klein ist.

„Wissenschaftler haben hier schon 265 Stundenkilometer Windgeschwindigkeit gemessen.“ Das entspricht einem Hurrikan der Höchststufe fünf, Kennzeichnung: „verheerend“. Er selbst habe nur 220 Stundenkilometer erlebt, was Stufe vier entspricht und zu stark für den symbolischen Albatross war: Das Denkmal für die umgekommenen Seefahrer hat seither nur noch einen Flügel.
Jochen Müssig
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