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TUI verärgert den Vertrieb

TUI hat die Provisionsabschlagszahlungen angepasst und damit für Unmut bei Reiseverkäufern gesorgt

TUI hat die Provisionsabschlagszahlungen angepasst und damit für Unmut bei Reiseverkäufern gesorgt. Foto: TUI

Mit veränderten Provisionsabschlagssätzen entfacht TUI Deutschland den Unmut der Reisebüros. Bei TUI selbst liest sich die am Mittwochmorgen versendete Botschaft an die Vertriebspartner positiv: Man habe im Zuge der anhaltenden Corona-Krise die Sätze angepasst und „erleichtere“ somit vielen Büros den Start ins neue Geschäftsjahr mit einer „attraktiven Absprungbasis“, heißt es. Damit sei TUI „für Ihre Kunden und Sie wieder eine gute Wahl“. 

Das sehen zahlreiche Reisebüro-Inhaber gänzlich anders und sprechen von „Mogelpackung“ und einer „fiesen Masche“. „TUI setzt uns mit den neuen Bedingungen unter Druck“, sagt beispielsweise Thomas Engel von TM-Reisen aus Heusweiler.  

Konkret kündigt der Konzern an, dass es auch im Geschäftsjahr 2020/2021 bei den bisherigen Abschlagssätzen aus dem Geschäftsjahr 2019/2020 bleiben werde. Die meisten Agenturen sollen demnach weiterhin eine Abschlagsprovision von zehn Prozent erhalten. Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. 

Und die haben es in sich. Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Agenturen entweder einen TUI-Gesamtumsatz von 200.000 Euro im Geschäftsjahr 2018/2019 oder von 150.000 Euro im Geschäftsjahr 2019/2020 erzielt haben. Haben sie das nicht, erhalten sie eine Abschlagsprovision von lediglich 7,5 Prozent. 

Darüber hinaus müssen sie bereits bis Februar 2021 einen Umsatz von 100.000 Euro für das Geschäftsjahr 2020/2021 erzielt haben. Wird diese Summe nicht erreicht, reduziert sich die Provision ebenfalls auf 7,5 Prozent. Und zwar rückwirkend für das Geschäftsjahr 2020/2021, das im November begonnen hat, teilt TUI mit. 

Ob und wann TUI Geld zurückfordert, ist aktuell nicht bekannt. Reisebüro-Inhaber Engel fürchtet, dass der Vertrieb „vermutlich ordentlich zurückzahlen muss – mit Geld, das er nicht hat“. 

Ein weiterer Knackpunkt ist für ihn, dass TUI Cruises nicht mehr zum Gesamtumsatz zählt. Das war zwar bereits bekannt. Unter den neuen Vorgaben wiegt dieser Wegfall aber besonders schwer. 

Auch andere Reisebüros üben scharfe Kritik an den geänderten Konditionen. „Schlechter geht gar nicht“, sagt eine Inhaberin aus Bayern. Sie habe sich mit vielen Kollegen ausgetauscht. Man sei einmal mehr beschnitten worden. „Der Unmut in unseren Reihen ist groß.“