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Thomas Cook: Fosun und Banken sollen übernehmen

Für den angeschlagenen Reisekonzern Thomas Cook zeichnet sich eine Lösung ab

Für den angeschlagenen Reisekonzern Thomas Cook zeichnet sich eine Lösung ab. Foto: Thomas Cook

Für den angeschlagenen Reisekonzern Thomas Cook zeichnet sich eine Lösung ab, aus der angespannten finanziellen Lage herauszukommen. Wie das Unternehmen heute mitteilte, will der bisherige Großaktionär Fosun Mehrheitsaktionär werden. Darüber hinaus wollen die Banken ihre Kredite in Anteile umwandeln. Damit würde Thomas Cook eine Finanzspritze von 750 Millionen Pfund (rund 835 Millionen Euro) erhalten, die dem Konzern „eine ausreichende Liquidität über die Wintersaison 2019/2020 sowie die finanzielle Flexibiltät, in die Zukunft des Unternehmens zu investieren“ sichern würde, heißt es.

Im Gegenzug könnte Fosun die Kontrolle des Reisegeschäfts und einen nicht unerheblichen Minderheitsanteil am Fluggeschäft übernehmen. Fosun gehören bereits jetzt 18 Prozent der Aktien am Thomas-Cook-Konzern. Die Mehrheit des Airline-Bereichs soll an Banken und Fondsgesellschaften gehen. Fosun kann hier nicht größer einsteigen, da ein nichteuropäischer Mehrheitsgesellschafter nicht mit den EU-Flugrechten vereinbar wäre.

Offiziell sind die Gespräche in einem fortgeschrittenen Stadium, bis Herbst soll der Deal abgeschlossen sein. Thomas Cook würde dann von der Börse genommen.

   

Kommentar (1)

  • Charly Amend
    am 13.07.2019
    Das ist zum Weinen!

    Von 1973 bis 2011 war ich bei Neckermann + Reisen, NUR Touristic, C & N und Thomas Cook beschäftigt. Und heute als Rentner bin ich im Herzen ein Neckermann.

    Als man in den frühen Jahren geschäftlich weltweit unterwegs war und sich als Mitarbeiter von Neckermann Reisen outete, flogen einem - in Nepal zum Beispiel zu - "Yes, Neckermann, Beckenbauer, Germany". Man hat darüber gelächelt - und man war stolz.

    Touristisch gehörten wir zu einem Pionierteam. Die meisten von uns entstammte anderen Berufen, aber die Leidenschaft zur Touristik vereinte. Wir waren keine Familie, sondern ein Unternehmen, das die Welt erobern wollte. Und das von Frankfurt aus. Hinzu kamen Tochterunternehmen in den Niederlanden, Belgien, Polen und Österreich. Die eine oder ander Hotel- od. Agenturbeteiligung und der Club Aldiana. Dies alles harmonisierte.

    Nachdem der Neckermann-Versand, das Mutterunternehmen, schlingerte, wurde das Paket NVAG und NUR von der Karstadt AG gekauft. Für den recht noblen Warenhandelskonzern war ein Reiseveranstalter ein neues, interessantes Spielzeug. Einige der "Heringsverkäufer" - so nannten wir die Karstädter - siedelten um zur NUR nach Frankfurt. Und als Nobelbetrieb passte das aus deren Ansicht Hausmacherart-Produkt Neckermann Reisen nicht so recht ins Portfolio. Ein TradingUp wurde befohlen: Die billigen Reisen von NUR unten wegkappen und noble Produkte obendrauf satteln. Die treuen NUR-Kunden fanden sich dort nicht wieder. Misslang und McKinsey musste ran. Backt to the roots, Vertrieb erweitert, weg vom fast nur Eigenvertrieb.

    Noch konfuser wurde die Situation, als die LH das Sagen erhielt. Aus Condor und Neckermann strickte der neue LH-CEO Profilneurotiker Pichler C & N Touristik. Stellte man sich jemanden derart vor, wurde man gefragt, ob man in der Bekleidungsbranche (C&A) oder beim Fernsehen arbeitete (CNN). Die zur Condor-Gruppe gehörenden lokalen Unternehmen, wie Kreutzer oder Fischer Reisen wurden platt gemacht. Ich erinnere mich noch, wie der jetzige CEO Fankhauser den Kreutzer-Mitarbeitern in Oberursel versicherte: Ihr Betriebsstandort ist und bleibt München.

    Bei der Markenpolitik besann man sich mit der neuen Marke Thomas Cook-Reisen hochwertiger Reiseangebote. Angebote, die auch das Prestige qualitätsbewusster Kunden ansprachen. Diese Produkte kreiierten Gisela Sökeland und Reinhard Icke. Beide Toptouristiker. Touristikflachmann Pichler stampfte das Produkt ein.

    Den Namenswechsel von C & N zu Thomas Cook sehe ich ein, weil man diesen mit Touristik verbindet. Aber das dieses Pionierunternehmen der Touristik nun mit chinesischem Geld gerettet werden soll, stimmt mich mehr als traurig. CEO Fankhauser meint in der Presse, dies alles sei ein Vorteil für Kunden und Lieferanten. Von Mitarbeitern hat er nicht gesprochen.

    Schade drum. Den ehemaligen Kollegen wünsche ich weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz.

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